12 FRAGEN AN BARBARA SCHMID-FEDERER | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
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12 FRAGEN AN BARBARA SCHMID-FEDERER

Mai 29 • BLOG, INTERVIEWS • 3264 Views • Keine Kommentare zu 12 FRAGEN AN BARBARA SCHMID-FEDERER

BarbaraSchmidFederer01. Was war Ihr Traumberuf, als Sie ein Kind waren?
Zahnärztin oder Apothekerin. Die Faszination für die beiden Berufe ist geblieben, auch wenn ich später ein Sprachstudium vorzog.
02. Was war Ihre erste politische Handlung – und wann?
Aufgrund eines schweren Autounfalls in der Familie – ein 5-jähriger Junge wurde von einem Offroader tödlich verletzt – setzte ich mich 2003 eisern für die Einführung von Tempo 30 in meiner Wohngemeinde ein. Die Bevölkerung konnte nur durch kluge Taktik und harte Knochenarbeit zu einem Ja überzeugt werden. Schlussendlich haben wir die Abstimmung gewonnen. Daran denke ich oft, wenn ich heute die 30er-Zonen sehe.
03. Was mögen Sie an der Schweizer Politik?
Ich schätze das Mehrparteiensystem. Ein System, welches nur eine Regierungspartei und eine entsprechende Opposition kennt, ist weniger stabil.
04. Mit welcher berühmten Persönlichkeit (ob noch am Leben oder nicht) würden Sie gerne abendessen – und warum?
Das wäre definitiv Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes. Mich würde die Motivation für seine Hilfsbereitschaft interessieren und ich würde ihm gerne zeigen, wie gross und wichtig das Rote Kreuz heute ist.
05. Was war bisher Ihr glücklichster Tag als Politikerin?
Im Mai 2009 versuchte ich mit allen Mitteln, den Nationalrat davon zu überzeugen, eine Motion gegen Menschenhandel zu unterstützen. Das Leid der Opfer ging mir persönlich sehr nahe, aber ich wusste, dass keine Mehrheit gefunden werden konnte. Nach meiner Rede im Rat stimmten mir derart viele Kolleginnen und Kollegen zu, dass nur noch drei Stimmen gefehlt hätten und es wäre geglückt. Ich stand den Tränen nahe, denn es war offenbar möglich gewesen, Menschen zum Nachdenken anzuregen.
06. Was sind die Vor- und Nachteile Ihres Berufs?
Ich erachte es stets als Privileg, dass ich ein Sprachrohr für eine Gruppe von Menschen sein darf, dass ich Menschen, die so denken wie ich, in der konkreten Politik vertreten darf. Nachteil ist der je länger je stärker auftretende Populismus, der sachliche Diskussionen unmöglich macht.
07. Welche drei Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?
Die Schweiz wird enormen Schaden an den Folgen der Masseneinwanderungsinitiative nehmen. Wir sind gut beraten, wenn wir uns gegenüber dem Ausland wieder öffnen. Innenpolitisch müssen vor allem mittelständische Familien finanziell entlastet werden, damit sie nicht unter die Armutsgrenze fallen. Ich würde unverzüglich verbieten, dass Volksinitiativen, welche Völkerrechte und Menschenrechte verletzen, zur Abstimmung gelangen.
08. Welche Länder haben Sie bereist, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und warum?
In Frankreich habe ich gelernt, dass ein Mindestlohn missbraucht werden kann, sodass ich ihn seither ablehne. In Spanien hingegen habe ich gelernt, das Leben lockerer und nicht so negativ zu sehen, wie viele von uns dies tun. Aber am meisten beeindruckt hat mich klar ein äthiopischer Junge, den wir – gelähmt – in einem Kinderheim unterbrachten. Nie wieder in meinem ganzen Leben habe ich auch nur annähernd so glückliche Augen gesehen wie seine, als er mit den für ihn fremden Kindern einen Laib Brot teilen durfte. Es war das Einzige, was er auf dieser Welt besass.
09. Sie haben einen Wunsch frei. Was wünschen Sie sich für die Schweiz?
Ich wünsche der Schweiz von ganzem Herzen, dass sie davon wegkommt, mit Hasstiraden und Prangern ihre politische Kultur zu zerstören. Wir müssen uns wieder dem widmen, wofür wir dereinst berühmt waren: humanitäre Hilfe.
10. Was interessiert und bewegt die jungen Leute von heute?
Im Umfeld meiner Söhne erkenne ich immer wieder, dass die heutige Jugend viel besser ist als ihr Ruf. Allerdings fehlt ihr eine gewisse Narrenfreiheit. Was früher als kleiner Bubenstreich möglich war, wird heute als „ungesetzlich“ verboten. Rasch wird die Moralkeule geschwungen und über die Jungen hergezogen. Das ist falsch, denn sie haben heute Zugang zu viel Wissen und nutzen dies auch.
11. Was raten Sie dem Berufsnachwuchs?
Politik ist Dienst am Menschen. Sie ist zuerst einmal Freiwilligenarbeit. Junge Menschen sollen sich nicht entmutigen lassen, wenn sie anstelle von Dank Häme und Spott erhalten. Wer sich in solchen Momenten treu bleibt und zu seiner Meinung steht, wird langfristig geschätzt. Medienarbeit ist sicher wichtig, darf aber nicht zum Schwerpunktthema werden.
12. Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
50 Rituale für die Seele von Pierre Stutz.
* Barbara Schmid-Federer (Jahrgang 1965) ist Mitglied der CVP und seit 2007 im Nationalrat. Die gebürtige Zürcherin und Mama von zwei Söhnen studierte in Zürich Romanistik (mit Auslandssemestern an der Pariser Sorbonne sowie in Granada). Ihre berufliche Karriere startete sie als Gymnasiallehrerin – später wurde sie zuerst Assistentin des Präsidenten der ETH Zürich, 3 Jahre später leitete sie bereits die Dual Career Advice Stelle der ETH. Seit 2002 ist sie Mitglied der Geschäftsführung und des Verwaltungsrats der Toppharm Apotheke in Zürich, seit 2008 auch im Verwaltungsrat von Radio Zürisee und seit 2011 Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes Kanton Zürich.

 

Text: Carolina Müller-Möhl, bearbeitet von Christina Brun
Titelbild: Jan Voth
Foto: Pia Neuenschwander

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