12 FRAGEN AN JACQUELINE FEHR | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
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12 FRAGEN AN JACQUELINE FEHR

Mai 1 • BLOG, INTERVIEWS • 3340 Views • Keine Kommentare zu 12 FRAGEN AN JACQUELINE FEHR

JacquelineFehr01. Was war Ihr Traumberuf, als Sie ein Kind waren?
Pilotin. Ich war fasziniert von meiner Namenskollegin Jacqueline Auriol, die als erste Frau die Schallmauer durchflogen hatte.
02. Was war Ihre erste politische Handlung – und wann?
Wahrscheinlich in der Primarschule, als ich mich im Vorfeld der Abstimmung über die Schwarzenbach-Initiative in meinem Umfeld für ein Nein stark machte. Denn die betroffenen Italienerinnen und Spanierinnen waren meine besten Freundinnen. Ich habe einen grossen Teil meiner Freizeit in den Baracken-Siedlungen und Abbruchhäusern verbracht, in denen sie damals lebten.
03. Was mögen Sie an der Schweizer Politik?
Die Nähe zur Bevölkerung.
04. Mit welcher berühmten Persönlichkeit (ob noch am Leben oder nicht) würden Sie gerne abendessen – und warum?
Vielleicht Nelson Mandela? Oder Michelle Obama? Was Überlebenswille und Versöhnung heissen, ist mir erst auf Robben Island, der Gefängnisinsel, auf der Mandela über Jahre in Einzelhaft war, bewusst geworden. Und Michelle scheint mir schlicht die spannendere Person als ihr Mann.
05. Was war bisher Ihr glücklichster Tag als Politikerin?
Die Annahme der Mutterschaftsversicherung vor neun Jahren. Dass ich bei diesem Erfolg einen wesentlichen Beitrag leisten durfte, erfüllt mich noch heute mit Freude. Wichtig war für mich aber auch das Inkraftreten der Finanzhilfen für familienergänzende Betreuung, die ja auf einen Vorstoss von mir zurückgehen. Mittlerweile konnten damit über 40’000 neue Betreuungsplätze geschaffen werden.
06. Was sind die Vor- und Nachteile Ihres Berufs?
Mein Beruf ist extrem spannend und abwechslungsreich. Ich fühle mich sehr privilegiert, das tun zu können, was mir jeden Tag Spass macht und dabei dort mitzugestalten, wo es den Alltag und die Zukunft von uns allen betrifft. Schwierig finde ich es immer dann, wenn ich mich wehrlos fühle, gegenüber einer Entwicklung oder einer Darstellung.
07. Welche drei Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?
Alles, was der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Weg steht, ausräumen. Die Energiewende als Umbauprojekt für unsere Wirtschaft verstehen und die Chancengleichheit endlich wieder ernst nehmen.
08. Welche Länder haben Sie bereist, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und warum?
Alle Länder, in die ich gereist bin, haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber am meisten haben mir in diesen Ländern die Frauen imponiert, die so gar nicht dem Klischee entsprechen, das wir von ihnen haben: Die ehemaligen PKK-Kämpferinnen im Nordirak oder die gut ausgebildeten Iranerinnen oder die palästinensischen Geschäftsfrauen im besetzten Palästina oder die emanzipierten Bäuerinnen in den Hochebenen von Bolivien.
09. Sie haben einen Wunsch frei. Was wünschen Sie sich für die Schweiz?
Über das Hier und Heute hinaus zu denken und dabei den Mut zu haben, sich ein realistisches Bild von sich selber zu machen.
10. Was interessiert und bewegt die jungen Leute von heute?
Die Zukunft. Ihre persönliche, aber auch jene unseres Planeten. Und wie alle jungen Generationen wehren sie sich dagegen, wenn auf ihre Schultern Probleme der Erwachsenen abgeladen werden, zum Beispiel Gewalt oder Umgang mit Alkohol.
11. Was raten Sie dem Berufsnachwuchs?
Erstens: Engagieren Sie sich! In der Politik, in einer Umweltorganisation, in einem Projekt oder in einem Sportverein. Zweitens: Folgen Sie ihrer Leidenschaft! Richten Sie sich nicht nach dem, was andere für Sie wichtig finden, sondern nach dem, was Sie begeistert und motiviert. Drittens: Bleiben Sie offen! Das Leben nimmt manchmal eine unerwartete Wendung. Und viertens: Wenn sich eine Türe öffnet,
stossen Sie sie auf und treten Sie ein.
12. Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson und „Mobbing“ von Annette Pehnt, einer Lieblingsautorin von mir.
* Jacqueline Fehr (1963) ist in Elgg und Winterthur aufgewachsen, ist Mama von zwei Söhnen (1994 und 1996) und wohnt noch heute in Winterthur. Jacqueline Fehr absolvierte erst ein Studium zur Sekundarlehrerin und hängte nur wenige Jahre später ein Zweitstudium in den Fächern Psychologie, Betriebswirtschaft und Politologie an, welches sie nicht abschloss, aber das Vordiplom erfolgreich bestand. Bereits seit 1998 ist sie Mitglied des Nationalrates für die SP. www.jfehr.ch

 

Text: Carolina Müller-Möhl, bearbeitet von Christina Brun
Titelbild: Jan Voth
Foto: Philip Zinniker

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