12 FRAGEN AN KARIN KELLER-SUTTER | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
mueller_moehl

12 FRAGEN AN KARIN KELLER-SUTTER

Jun 26 • BLOG, GESELLSCHAFT • 3130 Views • Keine Kommentare zu 12 FRAGEN AN KARIN KELLER-SUTTER

KarinKellerSutter01. Was war Ihr Traumberuf, als Sie ein Kind waren?
Ich wollte unbedingt Tierärztin werden, weil ich Tiere sehr liebe und als Kind viele verschiedene Tiere halten durften. Das hat mir in der Nachbarschaft den Übernamen „Zirkusdirektor“ eingetragen. Da ich kein Blut sehen kann, hat sich dieser Berufswunsch jedoch schnell zerschlagen. Meine Eltern wollten aber stets, dass ich ein praxisorientiertes Studium mache, nach dem man auch „richtig arbeiten“ kann.
02. Was war Ihre erste politische Handlung – und wann?
Da ich in einem Gewerbebetrieb aufgewachsen bin, wurde ich früh politisiert. In der Schule war ich immer Klassenchefin und habe mit den Lehrkräften verhandelt. Zudem habe ich als Kind Marken für den WWF – damals für die Rettung des Pandas – verkauft. Das war wohl meine erste politische Aktion.
03. Was mögen Sie an der Schweizer Politik?
Föderalismus und direkte Demokratie sind wesentliche Pfeiler unseres Systems und machen die Schweizer Politik auch einzigartig. Ich bin und war auf allen drei Staatsebenen – Gemeinde, Kanton und Bund – tätig und bin deshalb eine überzeugte Föderalistin. Was man nah an den Menschen und unter Einbezug der Bevölkerung lösen kann, ist nicht nur effizienter und kostengünstiger, sondern schafft auch mehr Zufriedenheit und Akzeptanz.
04. Mit welcher berühmten Persönlichkeit (ob noch am Leben oder nicht) würden Sie gerne abendessen – und warum?
August Friedrich von Hayek. Er hat mit der „Verfassung der Freiheit“ sozusagen die Bibel der Liberalen geschrieben. Hayek war ein Liberaler durch und durch und wer seine Schriften liest, ist erstaunt, wenn er die Jahreszahl sieht. Seine Skepsis gegenüber grossen Gebilden wie auch gegenüber der Sozialdemokratisierung der westlichen Gesellschaften ist aktueller denn je.
05. Was war bisher Ihr glücklichster Tag als Politikerin?
Einen glücklichsten Tag gibt es nicht, aber als Regierungsrätin habe ich viele befriedigende Momente erlebt, so z.B. wenn ich für einen Bürger ein Problem lösen konnte. Schön und feierlich waren auch immer die Vereidigungen von neuen Polizisten. Ich hatte stets grossen Respekt vor den jungen Menschen, die diesen anspruchsvollen Beruf gewählt haben.
06. Was sind die Vor- und Nachteile Ihres Berufs?
Ich bin als Ständerätin nicht mehr wie früher als Regierungsrätin Berufspolitikerin, sondern Milizpolitikerin. Ich schätze die Abwechslung, die gegenseitige Befruchtung meiner Tätigkeiten in Politik und Wirtschaft sowie die Möglichkeit, in vielen wichtigen Fragen mitgestalten zu dürfen. Negativ finde ich die zunehmende Skandalisierung von Fehlern oder auch negativen Ereignissen.
07. Welche drei Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?
Die Schweiz steht vor drei wichtigen strategischen Herausforderungen: 1. Die Klärung unseres Verhältnisses zur EU; 2. Die Unternehmenssteuerreform III, die für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes entscheidend ist und 3. Die Altersvorsorge 2020 und damit die Sanierung unserer Sozialwerke. Alle drei müssen gelingen, wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen.
08. Welche Länder haben Sie bereist, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und warum?
China hat mich beeindruckt. Man fragt sich da, wie man ein Land von dieser enormen Grösse überhaupt führen kann, damit es einigermassen funktioniert. Reisen sind generell ein Erlebnis. Mich interessiert vor allem, wie die Menschen leben, unter welchen Bedingungen sie arbeiten, wohnen und eine Familie haben.
09. Sie haben einen Wunsch frei. Was wünschen Sie sich für die Schweiz?
Ich wünsche mir, dass die Schweiz ihren „Systemvorsprung“ erhält und dass wir ob unseres Erfolgs nicht zu selbstgefällig werden.
10. Was interessiert und bewegt die jungen Leute von heute?
Für die jungen Menschen sind Ausbildung und Jobchancen sehr wichtig. Viele sind auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft, den sie sich erarbeiten müssen. Dabei bekommen Themen wie Weiterbildung oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oft einen wichtigen Stellenwert.
11. Was raten Sie dem Berufsnachwuchs?
Dass man offen ist und Veränderungen akzeptiert. Ich habe selbst erlebt, dass sich immer wieder eine Türe öffnet, dass sich immer wieder etwas ergibt. Man muss nur die Chancen sehen und etwas wagen.
12. Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
„Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ von Peter Sloterdijk.

 

* Karin Keller-Sutter (22.12.1963) wohnt in Wil SG und ist seit Herbst 2011 FDP-Ständerätin des Kantons St. Gallen. Ihre politische Laufbahn startete Karin Keller-Sutter 1992 als Gemeinderätin in Wil und amtierte danach einige Jahre als Kantonsrätin. Von 2000 bis 2012 war sie Regierungsrätin des Katons St. Gallen und war zweimal Regierungspräsidentin. Karin Keller-Sutter ist studierte Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin und machte ein Nachdiplomstudium in Pädagogik. 2011 hat sie den Swiss Award in der Sparte Politik gewonnen. Zudem hat sie verschiedene Auszeichnungen für ihre Arbeit gegen häusliche Gewalt erhalten. Karin Keller-Sutter ist Verwaltungsrätin der Baloise Holding AG und der NZZ AG. www.karin-keller-sutter.ch

 

Text: Carolina Müller-Möhl, bearbeitet von Christina Brun
Titelbild: Jan Voth
Foto: Geri Born

Comments are closed.

Related Posts

« »