12 FRAGEN AN SIBEL ARSLAN | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
mueller_moehl

12 FRAGEN AN SIBEL ARSLAN

Aug 10 • BLOG, INTERVIEWS • 2343 Views • Keine Kommentare zu 12 FRAGEN AN SIBEL ARSLAN

Foto_Sibel_Arslan_NRDie Baslerin (36) politisiert für die Grünen im Nationalrat. Sibel Arslan ist in der Türkei geboren und kam mit ihrer Familie 1991 in die Schweiz. Seit 2004 ist sie Schweizer Bürgerin. Sibel Arslan studierte Jura an der Universität Basel. Heute arbeitet sie als Juristin beim Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Landschaft.

 

1. Was war Ihr Traumberuf, als Sie ein Kind waren?
Relativ klischeehaft, entweder Ärztin oder Anwältin, damit ich anderen Menschen helfen kann. Ich habe schliesslich wirklich Jura studiert und in Verbindung mit der Politik versuche ich, mich so für andere Menschen einzusetzen.

 

2. Was war Ihre erste politische Handlung – und wann?
Ich bin bereits als Jugendliche an Demos gewesen, um gegen Ungleichbehandlungen, Ungerechtigkeit und für den Frieden einzustehen.

 

3. Was mögen Sie an der Schweizer Politik?
Dass man politisch unterschiedlicher Meinung sein kann und trotzdem respektvoll miteinander umgeht, und dass die Politiker und Politikerinnen auch wegen des Milizsystems volksnah bleiben. Es ist nichts Besonderes in der Schweiz, auf der Strasse einer Regierungsrätin oder einem Bundesrat ohne Bodyguards und Begleittross zu begegnen.

 

4. Mit welcher berühmten Persönlichkeit (ob noch am Leben oder nicht) würden Sie gerne abendessen – und warum?
Im Moment sind in den USA die Vorwahlen für die Präsidentschaftswahlen. Als Frau würde ich gerne mal mit Hillary Clinton abendessen, da sie es als erste Frau soweit gebracht hat, dass sie realistische Chancen auf die US-Präsidentschaft hat. Ich würde sie auch bitten, falls sie nominiert werden sollte, Bernie Sanders‘ politische Schwerpunkte, die ich stark unterstütze, in ihre politische Arbeit aufzunehmen.

 

5. Was war bisher Ihr glücklichster Tag als Politikerin?
Ein persönliches Highlight war, als mein Heimatkanton Basel-Stadt im 2014 entschieden hat, dass Menschen, die nach Basel kommen und kein Deutsch sprechen, im ersten Jahr einen unentgeltlichen Deutschkurs erhalten können. Zum einen hat mich der Entscheid inhaltlich gefreut und zum anderen, dass die Vorlage auf einem Antrag von mir zurückzuführen war.

 

6. Was sind die Vor- und Nachteile Ihres Berufs?
Die Politik ist ja nicht eigentlich ein Beruf, aber es ist eine vielseitige Tätigkeit, mit vielen Facetten. Es ist ein Privileg, dass ich die Anliegen, die meinen WählerInnen und mir wichtig sind, direkt in die nationale Politik einbringen kann. Ich kann Gesetze mitgestalten und dementsprechend auch eine Mit-Verantwortung für die Entscheide, die getroffen werden, tragen.
Nachteilig ist es, dass man als öffentliche Person stark im Fokus steht und deshalb die Trennung zwischen politischem Leben und Privatleben nicht immer klar und einfach ist.

 

7. Welche drei Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?
Wenn wir von Demokratie sprechen, müssten alle, welche hier geboren und aufgewachsen sind oder seit mindestens 10 Jahren in der Schweiz leben, im demokratischen Leben das Recht haben, mitzuentscheiden und mitzugestalten. Zudem darf es nicht sein, dass Frauen im Berufsleben im Durchschnitt immer noch fast 20% weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen, obwohl sie gleichwertige Arbeit leisten. Und dann natürlich die Flüchtlingssituation: Das Asylrecht existiert für viele Menschen heute nur noch in der Theorie, wir, als Europa, müssen sichere Reisemöglichkeiten für Flüchtlinge schaffen und allen Menschen, die das Recht auf Asyl haben, dieses auch gewähren.

 

8. Welche Länder haben Sie bereist, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und warum?
Sehr beeindruckt hat mich Rwanda. Die traurige Geschichte von Rwanda, wie mit den Minderheiten umgegangen wurde, wie sich imperialistische Länder in diesem Land aufgeführt haben und was für grosse Schäden dabei angerichtet wurden, hat mich sehr bewegt und geprägt. Die Vergangenheitsbewältigung ist ein grosses Thema für viele Menschen in Rwanda.

 

9. Sie haben einen Wunsch frei. Was wünschen Sie sich für die Schweiz?
Mehr Offenheit verbunden mit mehr Solidarität.

 

10. Was interessiert und bewegt die jungen Leute von heute?
Das kann man wahrscheinlich genau so wenig pauschal sagen, wie was Frauen interessiert. Aufgrund des Alters sind die individuellen Unterschiede da grösser als die Gemeinsamkeiten. Den einen steht die Welt offen und sie können sich überlegen, was sie überhaupt mit ihrem Leben machen oder was sie erreichen wollen. Und andere müssen darum kämpfen, überhaupt eine Chance zu bekommen. Ich setze mich dafür ein, dass diese Chancenunterschiede kleiner werden und sich mehr junge Leute nach ihren individuellen Interessen für ihren Weg entscheiden können. Wichtig ist für viele, jedenfalls in meiner Stadt, auch die Situation der Flüchtlinge in der Welt und wie die Schweiz und Europa damit umgeht.

 

11. Was raten Sie dem Berufsnachwuchs?
Empört euch und engagiert euch (Bücher von Stéphane Hessel). Denn es ist in euren Händen, etwas zu verändern und euch für das, an was ihr glaubt, einzusetzen. Und lasst euch von Niederlagen nicht entmutigen. Es braucht in der Politik manchmal viel Durchhaltewillen, bis man etwas erreicht.

 

12. Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
„Die Freihandelslüge: Warum TTIP nur den Konzernen nützt – und uns allen schadet“ von Thilo Bode, da das Thema im Moment sehr aktuell ist und ich mich vertieft damit auseinandersetzen möchte.

 

Carolina Müller-Möhl
Präsidentin Müller-Möhl Group & Müller-Möhl Foundation

Die Investorin und Philanthropin fokussiert in ihrer Stiftung auf die Themen Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Standortförderung. Die Politologin versteht sich als engagierte Bürgerin, die die Entwicklung der Schweiz mitgestalten will. Die Interviewreihe mit Politikerinnen soll junge Frauen für Politik begeistern und sie dazu animieren, vermehrt an die Urne zu gehen. Denn die weibliche Stimme ist in der direkten Demokratie ausschlaggebend dafür, dass sich die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern.

 

Text: Carolina Müller-Möhl, bearbeitet von Amina El-Hozayel
Titelbild: Sibel Arslan
Foto: ??

 

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