12 FRAGEN AN TIANA MOSER | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
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12 FRAGEN AN TIANA MOSER

Mai 15 • BLOG, INTERVIEWS • 2707 Views • Keine Kommentare zu 12 FRAGEN AN TIANA MOSER

TianaMoser01. Was war Ihr Traumberuf, als Sie ein Kind waren?
Ich bin von jeher sehr naturverbunden und tierliebend. Grosstierärztin war deshalb mein Traumberuf. Da geniesst man, so war mein Eindruck, grosse Freiheit und sei ständig draussen unterwegs.
02. Was war Ihre erste politische Handlung – und wann?
Ich konnte nicht verstehen, dass die Gemeinde bei uns im Dorf ständig den Gewässern entlang das Gras und die Büsche radikal zurückschnitt. Also beschwerte ich mich und liess mir vom Gemeindepräsidenten das Naturschutzkonzept erklären.
03. Was mögen Sie an der Schweizer Politik?
Die verschiedenen Kräfte müssen sich immer wieder zusammenraufen und zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden. Das fordert das Konkordanzsystem, aber auch die direkte Demokratie. Diese Qualität hat in letzter Zeit gelitten. Ich hoffe, sie gewinnt in Zukunft wieder mehr an Gewicht.
04. Mit welcher berühmten Persönlichkeit (ob noch am Leben oder nicht) würden Sie gerne abendessen – und warum?
Angela Merkel. Ich finde es beeindruckend, wie sie als Landesmutter fast stoisch über dem alltäglichen politischen Hickhack zu stehen scheint und ihre Ziele verfolgt. Ein persönliches, informelles Gespräch fände ich total spannend.
05. Was war bisher Ihr glücklichster Tag als Politikerin?
Als wir bei den letzten Wahlen als Grünliberale Fraktionsstärke erreichten. Dank der Fraktionsstärke können wir unserer grünliberalen Politik unabhängig vom Links-/Rechts-Schema viel besser Ausdruck verleihen.
06. Was sind die Vor- und Nachteile Ihres Berufs?
Ich bin politisch engagiert, weil mir der Schutz der Umwelt, eine liberale Gesellschaft und eine liberale Wirtschaftsordnung wichtig sind. Als Nationalrätin setze ich mich tagtäglich dafür ein. Das ist unglaublich motivierend und zufriedenstellend. Als Mutter von drei Buben stellt mich das Milizsystem mit seiner Unregelmäßigkeit aber immer wieder vor logistische und emotionale Herausforderungen.
07. Welche drei Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?
Die Schweiz hat als sehr wohlhabendes Land einen wesentlichen Beitrag zur Lösung der grossen Umweltprobleme wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust etc. zu leisten. Hier müssen wir dringend unsere Hausaufgaben machen. Zweitens sehen wir uns als stark globalisiertes Land mit dem Spannungsfeld von Öffnung und Bewahrung unserer Identität konfrontiert. Ich bin stolz auf unsere weltoffene Schweiz und werde meinen Beitrag dazu leisten, dass wir auch so weltoffen bleiben. Gerade im nächsten Jahr wird die Offenheit der Schweiz dreimal mit den Vorlagen zur Personenfreizügigkeit auf die Probe gestellt. Ich werde sie alle mit Überzeugung ablehnen. Schliesslich muss die Schweiz noch viel familienfreundlicher werden. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist immer noch eine zu grosse Herausforderung.
08. Welche Länder haben Sie bereist, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben – und warum?
Ich reiste mit meinem Mann vor der Geburt unseres ersten Sohnes durch Syrien und war sehr beeindruckt von der Offenheit und Freundlichkeit der Syrerinnen und Syrer. In Damaskus und Aleppo haben zudem Christen und Muslime friedlich miteinander gelebt. Die heute so tragische Situation in Syrien berührt mich deshalb ganz besonders.
09. Sie haben einen Wunsch frei. Was wünschen Sie sich für die Schweiz?
Dass es ihr gelingt, ihre Offenheit zu wahren, gleichzeitig ihre Eigenheiten zu pflegen und damit ihre Identität zu behalten.
10. Was interessiert und bewegt die jungen Leute von heute?
Ich treffe mich im Bundeshaus oft mit Schulklassen. Diese Treffen sind mir sehr wichtig. Weil sie genau darauf eine Antwort geben. Oft werden der Klimawandel, aber auch die berufliche Zukunft thematisiert. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bewegt viele Junge.
11. Was raten Sie dem Berufsnachwuchs?
Jeder muss seinen ganz persönlichen Weg konsequent gehen. Auch wenn es ab und zu Rückschläge gibt. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
12. Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
‚Why Nations Fail. The Origins of Power, Prosperity and Poverty’ von Daron Acemoglu und James Robinson und ‚Lean in’ von Sheryl Sandberg.
* Tiana Angelina Moser (6.4.1979) ist Nationalrätin der Grünliberalen in der Stadt Zürich. Ursprünglich aus dem Zürcher Oberland stammend hat sie an den Universitäten Zürich und Pompeu Fabra in Barcelona Politik- und Umweltwissenschaften studiert. Bis zur Geburt ihres zweiten Sohnes arbeitete sie zudem an der ETH als Wissenschaftlerin. Von 2007 bis 2011 engagierte sie sich in der Wissenschafts- und Kulturkommission und seit 2007 in der aussenpolitischen Kommission des Nationalrates. Seit 2011 präsidiert sie die erste grünliberale Fraktion im Bundeshaus. Die junge Mutter von drei Buben lebt mit ihrem Mann in Zürich Hottingen. www.tianamoser.ch

 

Text: Carolina Müller-Möhl, bearbeitet von Christina Brun
Titelbild: Jan Voth
Foto: Grünliberale Partei Schweiz

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