Bernadette Koch von EY über mehr Frauen in Führungspositionen | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
bernadette_koch

Bernadette Koch von EY über mehr Frauen in Führungspositionen

Okt 24 • Allgemein, ARBEITEN • 3384 Views • Keine Kommentare zu Bernadette Koch von EY über mehr Frauen in Führungspositionen

Obwohl Unternehmen mit gemischten Führungsteams erfolgreicher sind, finden sich immer noch vergleichsweise wenige Frauen in Spitzenpositionen. Wir haben Bernadette Koch, Talent Leader im Bereich Wirtschaftsprüfung bei EY, gefragt, wie sich das ändern lässt und warum gerade die Schweiz so schlecht abschneidet.

Girls Drive: Laut einer Studie, an der auch EY beteiligt war, lohnt es sich für Unternehmen auch finanziell, Frauen in die Führungsetage zu holen. Warum finden sich trotzdem so wenige Frauen in leitenden Positionen?
Bernadette Koch: Es reicht natürlich nicht, einfach Frauen in die Führung zu holen. Sie müssen auch entsprechend qualifiziert werden, damit sie gute Arbeit leisten können. Das erreichen Unternehmen nur durch langfristige Maßnahmen, oft verbunden mit einem kulturellen Wandel.
Gerade die Schweiz schneidet im globalen Vergleich besonders schlecht ab – und das trotz hohen Bildungsniveaus junger Schweizerinnen. Warum?
Die Gründe hierfür sind vielfältig und teilweise tief in der Gesellschaft verankert: wenige Ganztagsschulen, familienunfreundliche Krippenzeiten, kurzer Mutterschaftsurlaub und keine Elternzeit. Es wird jungen Müttern nicht leichtgemacht, Beruf und Familie mit vernünftigem Aufwand zu kombinieren. Auch die späte Einführung des Frauenstimmrechts oder das lange Zeit antiquierte Eherecht wirken bis heute nach. Hinzu kommt, dass es sich Familien in der Schweiz eher leisten können, auf ein zweites Einkommen zu verzichten.

Wie können Unternehmen dazu beitragen, dies zu ändern?
Ein Unternehmen kann Männer nicht dazu zwingen, sich mehr um Familie und Haushalt zu kümmern. Aber wir bei EY bieten beispielsweise sehr flexible Arbeitszeiten, unterstützen die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten oder das Arbeitspensum zu reduzieren. Es ist sicher besser, wenn sich die Unternehmen bewegen, als wenn der Staat Vorschriften und Verbote erlässt.

Welche Rolle spielt die Einführung von Quoten?
Strikte Quoten sind für mich eher kontraproduktiv. Der Bundesrat schlägt eine softe Lösung vor mit Quoten von 20 bis 30 Prozent. Wenn diese nicht erreicht werden, muss das Unternehmen die Gründe dafür angeben sowie bereits umgesetzte oder geplante Massnahmen offenlegen. Das scheint mir die bessere und nachhaltigere Variante.

Welche Rolle spielen unternehmensinterne Mentoring-Programme, um das Potenzial weiblicher Talente zu fördern?
Viele erfolgreiche Führungskräfte dürfen in ihrer Laufbahn auf die Unterstützung erfahrener Kollegen zählen. Meistens handelt es sich dabei um informelles Mentoring, das aufgrund von gegenseitiger Sympathie und eher zufällig entstanden ist. Männer neigen allerdings dazu, Kollegen zu fördern, die ihnen ähnlich sind. Deshalb kommen Frauen seltener in den Genuss des informellen Mentoring. Strukturierte Mentoring-Programme können Abhilfe schaffen. Wo es solche Programme nicht gibt, empfehle ich jungen Frauen, sich selbst einen Mentor zu suchen.

Fotos: EY
Text: Girls Drive-Redaktion

Comments are closed.

Related Posts

« »