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CHINESISCH: DIE SCHWIERIGSTE SPRACHE DER WELT?

Nov 3 • Allgemein, BLOG, GIRLS DRIVE WORLD • 1054 Views • Keine Kommentare zu CHINESISCH: DIE SCHWIERIGSTE SPRACHE DER WELT?

Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch… Der Ausbau der eigenen sprachlichen Fähigkeiten nach dem Pflichtunterricht in der Schule fällt meistens auf genannte romanische Sprachen. Doch wieso nicht einmal vom Standard abweichen und seine Bemühungen in eine Sprache stecken, die uns völlig fremd erscheint? Ich habe es gewagt und lerne deshalb Chinesisch!

An der Universität St. Gallen sind die Kenntnisse von zwei Fremdsprachen auf relativ gutem Niveau Pflicht, egal ob auf Bachelor- oder Masterstufe. So musste auch ich, als angehende Masterstudentin, mich neben Englisch für eine weitere Fremdsprache entscheiden. Das Angebot ist gross, auch exotische Sprachen wie Japanisch, Chinesisch oder Russisch stehen zur Auswahl. Dies löste bei mir eine gewisse Neugierde aus. Ich entschied mich also für den Schritt ins Unbekannte und wählte Chinesisch – schliesslich ist China eine aufkommende Wirtschaftsmacht und bietet eine spannende Kultur, die es zu entdecken gilt.

Oft hört man ja Chinesisch sei die schwierigste Sprache der Welt. Das klingt natürlich nicht gerade einladend für lernwillige Nicht-Chinesen. Doch so schlimm ist es nicht: Fokussiert man seine Bemühungen nämlich auf die mündliche Kommunikation, kann man bald einmal auf Smalltalk-Niveau kommunizieren. So bin ich bereits nach sechs Wochen in der Lage ein höfliches „Hallo, wie geht’s? Gut, und dir? Ich heisse …“-Gespräch zu führen. Geschrieben wird in unserem Kurs in Pinyin. Dies ist die offizielle Romanisierung des Hochchinesischen, welche auf der phonetischen Umschrift in das lateinische Alphabet beruht und es deshalb erlaubt, Chinesisch ohne die verwirrenden Zeichen zu schreiben.

Die chinesische Sprache ist eine Tonsprache, d.h. die Aussprache determiniert die Bedeutung einer Silbe. So kann die Silbe „ma“ je nach Ton die Bedeutung „Mutter“, „Pferd“ oder „schimpfen“ einnehmen. Folgender Satz „Māma má mǎ ma?“ sieht lustig aus, heisst aber tatsächlich: „Schimpft die Mutter mit dem Pferd?“. Es gibt insgesamt vier Töne: Der erste wird gleichbleibend hoch ausgesprochen, fast singend, beim zweiten geht man mit der Stimme hoch, ähnlich wie bei einer deutschen Frage, beim dritten Ton geht die Stimme runter und anschliessend hoch und beim vierten fällt die Stimme.

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Pinyin erleichtert die ganze Angelegenheit ungemein, besonders wenn man bedenkt, dass chinesische Primarschüler nach sechs Jahren Unterricht gerade einmal 3000 Zeichen schreiben können. Dies entspricht einem Bruchteil der Gesamtzahl an Zeichen, reicht jedoch um Zeitungen und Bücher zu lesen. Gut gebildete Chinesen beherrschen übrigens bis zu 6000 Zeichen.

Bislang bereitet mir die Aussprache doch noch Probleme, da sich einige Silben zum Verwechseln ähnlich sind und nur durch eine minim andere Aussprache unterscheiden. Der Unterricht ist jedoch sehr interessant und da alle von Null anfangen, sitzen wir alle im gleichen Boot. Immer wieder erfährt man dabei auch spannende Fakten über die chinesische Sprache. So ist zum Beispiel die Namensgebung von Neugeborenen in China ein Thema für sich. Nur so viel sei gesagt: Die Namen werden gewollt und viel stärker als bei uns mit einer bestimmten Bedeutung vergeben. Es kann dabei frei aus den vorhandenen Silben des Wortschatzes gewählt werden. Oft kann man aus den Vornamen auch die Zugehörigkeit zu einer gewissen Generation ablesen. So wurden Kindern, die während der Kulturrevolution geboren sind, oft Namen gegeben, welche diese Zugehörigkeit mit Begriffen wie „rot“, „Soldat“ oder „Revolution“ wiederspiegeln.

Das Erlernen der chinesischen Sprache erinnert mich an eine Reise in eine fremde Welt. Es ist wohl eine längere Reise, die ich jedoch gerne auf mich nehme. Wie ein chinesisches Sprichwort besagt, ist eines dabei ganz wichtig: „Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld. Nicht durch Aufschlagen, sondern durch Ausbrüten wird das Ei zum Küken.“

Text von Priscilla Müllhaupt – 普里西拉 (Pǔ lǐ xī lā)

Bilder via Wikimedia Commons/HerrKlugbeisser und Steve Webster/Flickr – Creative Commons (keine Änderungen vorgenommen)

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