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DAS SPIEL MIT DEM STATUS

Mrz 18 • BLOG, Studium • 3698 Views • Keine Kommentare zu DAS SPIEL MIT DEM STATUS

Voller Enthusiasmus und Optimismus gehen die meisten von uns in die erste berufliche Herausforderung. Doch schnell wird klar, dass es im Job nicht nur um Kompetenz geht sondern auch darum, die Statusspiele der Menschen zu durchschauen und gegebenenfalls mitzuspielen.

Ich möchte Euch hier das spannende Modell von Tom Schmitt und Michael Esser vorstellen, welches mir im Alltag hervorragende Dienste leistet. Dieses Modell geht von vier Status-Möglichkeiten aus: hoher oder niedriger Status, innerer und äusserer Status. Der innerlich gefühlte Status entspricht nicht unbedingt dem Status, den man mittels seiner Äusserungen, seiner Körpersprache und Mimik nach aussen zeigt. Um das Modell mit seinen unterschiedlichen Status besser greifbar zu machen, möchte ich es an einer Alltagssituation festmachen: der Betreffende hat im Restaurant einen “eigenen” Tisch inne, geht kurz auf die Toilette und als er zurückkommt, sitzt jemand an seinem Tisch … Wie reagiert der Betreffende in der geschilderten Situation?

Innerer Status hoch, äusserer Status niedrig
Ein Mensch, dessen innerer Status hoch ist, während der nach aussen gezeigte eher niedrig ist, ist sich seiner Sache sicher, gibt sich aber freundlich und kompromissbereit. Diese Menschen werden somit als zuvorkommend und sicher wahrgenommen. Sie wissen, was sie wollen, verfolgen ihre Ziele aber diplomatisch, geschickt und taktisch klug. Sein Umfeld schätzt ihn wegen seiner diplomatischen, charismatischen Art.

Ein Mensch dieses Typus‘ würde in der Restaurant-Situation etwa sagen:
„Mensch, kaum ist man weg, ist der Platz neu besetzt!“
„Sind wir verabredet, kennen wir uns?“
„Das ist doch mal eine Überraschung, herzlich willkommen an meinem Tisch, ich kann heute den Pflaumenkuchen wärmstens empfehlen.“
„Können Sie mir etwas empfehlen?“

Auf diese Weise wird klar, aber freundlich signalisiert: Das hier ist mein Tisch und ich bin sehr überrascht, dass Sie nun plötzlich hier sitzen.

Innerer Status hoch, äusserer Status hoch
Menschen mit diesem Status-Zustand fühlen sich innerlich der Situation gewachsen und signalisieren dies auch nach aussen. Sie wissen genau, was sie wollen, und machen dies nach aussen unmissverständlich klar. Sie sind es gewohnt, zu bestimmen und andere Menschen in ihre Schranken zu weisen. Solche Menschen werden als Macher, als Bestimmer wahrgenommen, die sich nicht die Wurst vom Brot nehmen lassen.

Solch ein Mensch würde im Café sagen:
„Entschuldigen Sie bitte, das ist mein Tisch!“
„Schön, dass Sie auf den Tisch aufgepasst haben, ich bin dann jetzt wieder hier …“
„Bitte verlassen Sie meinen Tisch!“
Hier besteht kein Zweifel daran, was diese Menschen von ihrem Gegenüber erwarten!

Innerer Status tief, äusserer Status hoch
Dieser Status-Zustand liegt vor, wenn ein Mensch sich innerlich mit einer Situation überfordert fühlt, dies aber keinesfalls nach aussen zeigen will. So jemand verhält sich tendenziell zickig, arrogant und zu laut … und wird von anderen entsprechend wahrgenommen.

Mögliche Antworten am Restaurant-Tisch wären:
„Unverschämt! Da ist man mal eine Minute weg, und schon sitzen Sie hier!“
„Herr Ober, würden Sie bitte dieser Person sagen, dass es sich hier um meinem Tisch handelt!“
„Manieren sind heutzutage wohl auch zur Glückssache geworden!“

Durch dieses Verhalten wird man sein Ziel, die andere Person zu vertreiben, zwar möglicherweise erreichen, allerdings um den Preis, eine Szene gemacht und Diskussionen provoziert zu haben. Nicht nur der „Eindringling“ wird zu Recht den Eindruck haben, dass die Situation sich auch mit deutlich weniger Empörung hätte auflösen lassen.

Innerer Status tief, äusserer Staus tief
Menschen mit diesem Status-Zustand sind sich ihrer Sache nicht sicher und wollen nach aussen möglichst wenig auffallen. Sie geben schnell nach, sind leicht zu überzeugen und werden von anderen als liebenswerte, stets kompromissbereite, aber auch schwache Menschen wahrgenommen.

Bei der Situation im Restaurant würde so jemand sich vermutlich hinsetzen, ohne irgendetwas zu sagen oder allenfalls murmeln, dass man ohnehin im Aufbruch begriffen sei. Oder er/sie würde den unverhofften Tischgenossen begrüssen und ein Gespräch anfangen.

Mag sein, dass man mit diesem Verhalten bei anderen ganz sympathisch rüberkommt – aber was ist mit den eigenen Bedürfnissen?

Ich fasse die vier Status-Zustände und ihre Wirkung auf andere noch einmal kurz zusammenfassen:

  • Innerlich hoher, äusserlich niedriger Status: Sie gelten als sympathisch und werden respektiert.
  • Innerlich und äusserlich hoher Status: Man respektiert Sie und tut, was Sie sagen. Als sympathisch empfindet Sie allerdings kaum jemand, eher als hart und kompromisslos.
  • Innerlich niedriger, äusserlich hoher Status: Andere fühlen sich in Ihrer Gegenwart unbehaglich. Sie verschaffen sich so weder Respekt noch Sympathie.
  • Innerlich und äusserlich niedriger Status: Andere mögen Sie, respektieren Sie aber nicht.

Du kannst dieses Wissen ab sofort für Deine Beobachtungen nutzen und Dich selbst unter die Lupe zu nehmen…Ich wünsche Dir viele spannende Momente damit.

Weitere Informationen: www.tatjanastrobel.ch

 

* Text und Grafik: Tatjana Strobel. Sie ist anerkannte Expertin für Körpersprache und Physiognomie und regelmässige Gastautorin bei Girls Drive und Ladies Drive. Ab sofort bereichert sie auch unseren Blog mit ihrem Know-how. Wenn Ihr Fragen habt oder Euer Feedback geben wollt, könnt Ihr das gerne unter redaktion@girlsdrive.ch tun.

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