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DER ETWAS SELTENERE WEG: VON DER UNI AN DIE FACHHOCHSCHULE

Feb 16 • BLOG, Karriere, WACHSEN, WEITERBILDUNG • 2808 Views • Keine Kommentare zu DER ETWAS SELTENERE WEG: VON DER UNI AN DIE FACHHOCHSCHULE

Universität oder Fachhochschule? Was sind die Vorteile, was die Nachteile? Ist das eine besser als das andere? Die Schlacht zwischen den beiden Hochschul-Systemen ist bereits seit einigen Jahren im Gang, intensiviert sich aber zunehmend angesichts der Vervielfältigung der Studiengänge, die an beiden Institutionstypen angeboten werden. Eine Entscheidung zu fällen, wird immer schwieriger beim Dickicht an Universitäten und Fachhochschulen.

 

Bachelor als Zwischenschritt

Die Gretchenfrage einer jeden Ausbildung lautet letzen Endes: Wie gut werde ich auf die Berufswelt vorbereitet? Dazu gehört einerseits, wie schnell man einen Job findet nach Diplomabschluss, andererseits wie praxiswirksam die erlernten Kompetenzen sind. Studien vom Bundesamt für Statistik zeigen hierzu, dass 2011 die Erwerbsquote nach einem Bachelor-Abschluss an einer Fachhochschule 79.7 % betrug, während sie bei Bachelor-Absolventen einer Universität gerade mal 10.3 % betrug. Auf Master-Stufe gleichen sich diese Unterschiede aus. Analog dazu war 2011 die Übereinstimmung der im Studium erlernten und im Beruf angewandten Kompetenzen auf Bachelor-Stufe bei den Fachhochschulabgängern höher als bei den Universitätsabsolventen. Auch diese Unterschiede nivellieren sich nach dem Master. Wer also nach einem Bachelor-Studium aufhört, scheint bessere Chancen in der Berufswelt zu haben mit einem Fachhochschulabschluss. Dessen scheinen sich die Universitätsstudierenden aber durchaus bewusst zu sein. Bei einer 2011 vom Bundesamt für Statistik durchgeführten Befragung zu den Gründen für ein Master-Studium antworteten mehr als doppelt so viele Studierende von Universitäten, dass sie einen Master machen würden, weil der Bachelor kein berufsqualifizierender Abschluss, sondern lediglich ein Zwischendiplom sei.

 

Master an einer Universität oder Fachhochschule?

Auch wenn diese Studien sehr allgemein sind und keine detaillierten Angaben zu potentiellen Differenzen nach Studienrichtungen machen, deuten sie darauf hin, dass sich diese Unterschiede beim Eintritt in die Arbeitswelt nach einem Master weitgehend aufgehoben haben. Dadurch wird die Frage, ob der Master besser an einer Universität oder einer Fachhochschule gemacht wird, noch schwieriger zu beantworten. Leider wurden bisher noch keine statistischen Daten erhoben bezüglich der Anzahl Studierenden, die nach einem Bachelor-Abschluss vom einen zum anderen Hochschultyp wechseln. Dass diese Anzahl gross ist, scheint aber eher unwahrscheinlich. Viele Studierende bleiben für den Master an der Hochschule, an der sie bereits den Bachelor absolviert haben.

 

Wechsel von der UZH an die ZHAW

Ich gehöre zur Minderheit, die genau dies tut: ich beginne nach meinem Bachelor in Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Zürich (UZH) diesen Februar den Master in Organisationskommunikation an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Verschiedene Gründe haben zu diesem Entschluss geführt. Zunächst schloss ich einen Master an der UZH aus, da mir der Unterrichtsstoff zu ähnlich erschien wie das im Bachelor Erlernte und weiterhin zu theoretisch blieb. Ich wollte etwas Neues kennenlernen – ein neues Umfeld, neue Studierende, neue Dozierende, neues Wissen. Auch war es mir ein Anliegen, mir praktischere Kompetenzen anzueignen, da ich mich nach dem Bachelor-Abschluss an der Universität nicht genügend für die Berufswelt vorbereitet gefühlt habe. Dies habe ich gerade während durch die verschiedenen Arbeitserfahrungen, die ich parallel zum Bachelor gesammelt habe, gemerkt. Der Master-Studiengang an der ZHAW in Winterthur kam meinen Bedürfnissen entgegen, da er breit gefasst ist und ich mich somit nicht auf ein eng abgestecktes Gebiet beschränken muss, aber dennoch interessante Schwerpunkte aufweist (z.B. den Fokus auf internationale und interkulturelle Organisationskommunikation im zweiten Semester). Zudem stellt er mit Praxisstudien einen engeren Bezug zur Arbeitswelt her und beinhaltet im dritten Semester auch die Möglichkeit, ein Praktikum zu absolvieren. Noch weiss ich nicht, wie der Master an der ZHAW wirklich sein wird – ich bin aber froh, den Schritt zum Wechsel gewagt zu haben.

 

Horizonterweiterung statt Downgrade-Ängste

Letzten Endes frage ich mich jedoch immer wieder, ob es wirklich einen so grossen Unterschied macht, ob man den Master an einer Universität oder an einer Fachhochschule absolviert. Die Studien vom Bundesamt für Statistik sprechen dafür, dass beide Master-Diplome gleichwohl anerkannt sind in der Arbeitswelt und die Master-Studierenden von Universitäten und Fachhochschulen gleich souverän auf den Berufseinstieg vorbereitet werden. Vielleicht tun wir uns mit der Entscheidung zu schwer und überlegen uns schon fast zu viel, weil wir in der öffentlichen Debatte ständig mit der Kontroverse zwischen Universitäten und Fachhochschulen bombardiert werden?

Mein Fazit lautet daher: Wer sich für eine Ausbildung an einer Hochschule entscheidet, sollte in erster Linie für sich entscheiden, welche Ziele er hat und welche Art von Hochschule dafür passender ist. Der öffentliche Konkurrenzkampf zwischen Universitäten und Fachhochschulen sollte nicht von den eigenen Bedürfnissen ablenken. Vielmehr sollten die beiden Hochschultypen als komplementäre Elemente in einem im internationalen Vergleich hochwertigen Bildungssystem betrachtet werden. Ein Wechsel – ob nach einem Bachelor an der Universität zu einem Master an der Fachhochschule oder umgekehrt – sollte weder als Downgrade noch als Upgrade interpretiert werden sondern als Horizonterweiterung. Denn in beiden Institutionen erlernt man spezifische Kompetenzen, die einem in der Arbeitswelt von Nutzen sein werden. Wer also von Universität und Fachhochschule etwas in seinem Bildungsrucksack dabei hat, kann sicher nicht verlieren – daher: habt Mut zum Wechsel, wenn er euch persönlich zielführend erscheint!

 

Text: María Colón

Bild: Universität Zürich

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