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Erfolgreich, aber einsam

Feb 25 • BLOG, Karriere, Lifestyle • 1925 Views • Keine Kommentare zu Erfolgreich, aber einsam

Macht Erfolg Frauen unsexy?

Wir wollen nicht nur Erfolg im Studium und bei der späteren Karriere, wir streben meistens auch das Glück zu zweit an. Wahrscheinlich wünschen sich die meisten von uns eine glückliche Beziehung. Am liebsten würden wir alles haben: Einen herausfordernden Job, der Spass macht, mit viel Freizeit, hohem Einkommen, und natürlich ein erfülltes Privatleben als Sahnehäubchen obendrauf. Doch bekanntlich hat der Tag nur 24 Stunden, jede Medaille zwei Seiten und man kann nicht alles haben. Denn leider scheint es so, dass viele gut ausgebildete Frauen keinen Partner finden.

 

Erfolgreich, aber einsam, muss man sich als Frau gar zwischen beruflichem und privatem Erfolg entscheiden? Machen Ambitionen oder Erfolg Frauen für eine feste Partnerschaft unattraktiv? Girls Drive ist für euch diesen Fragen nachgegangen und hat bei den Partnerschaftsexperten von FriendScout24 nachgehakt, wie es denn wirklich um die beruflich erfolgreichen, privat aber erfolglosen Frauen steht. Zudem versorgt uns Executive und Business Coach Christina Kuenzle, welche tagtäglich mit internationalen Top-Executives in Kontakt ist, mit spannenden Sichtweisen rund um das Thema Erfolg und Liebe.

 

Erfolgreiche Frauen suchen Prinzen mit Anwaltspatent

Immer mehr Frauen studieren, sind dementsprechend gut ausgebildet und starten beruflich durch. Die Bildungsexpansion der Frauen hat zur Folge, dass der Pool an gut ausgebildeten Frauen immer grösser wird, gleichzeitig jener an gut ausgebildeten Männern proportional kleiner. Dies wäre an sich nicht weiter beklagenswert, es sei denn, es kommt unser Urverlangen nach einer glücklichen Beziehung auf. Denn die Schweizer Karrierefrau verliert ihr Herz tendenziell nicht an einen Gärtner, sondern wartet wie Rapunzel, dass Prinz Charming mit Anwaltspatent auf einem Schimmel daherreitet.

Wie uns der wissenschaftliche Berater des Partnersuchportals Friend-Scout24, Prof. Dr. Manfred Hassebrauck, im Interview verrät, gibt es zwischen Mann und Frau entscheidende Unterschiede bei der Partnersuche: Obwohl beide Geschlechter gleichermassen treue, einfühlsame und liebevolle Partner suchen, entlarvt Prof. Dr. Manfred Hassebrauck: „Männer achten besonders auf das Aussehen der Partnerin, und Frauen – auch die gut ausgebildeten – achten auf den Status und den beruflichen Erfolg der Männer.“ Bei den Männern gilt also das traditionelle Motto: jung, attraktiv und gebärfähig. Kriterien wie Bildungsniveau, Status oder beruflicher Erfolg einer Frau spielen für Männer nur eine untergeordnete Rolle bei der Partnerwahl. Auch schien das traditionelle Beuteschema die digitale Revolution mit unzähligen Online-Dating-Seiten unbeschadet überstanden zu haben. Der Single-Monitor 1/2013 vom Partnersuchportal FriendScout24 untersuchte über eine Million Frauen- und Männerprofile nach gesuchtem Bildungsstand und Einkommensniveau im deutschsprachigen Raum. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während 25 Prozent der Männer mit Studienabschluss sich eine Partnerin ohne diesen Abschluss vorstellen können, sind es bei den Frauen nur 14 Prozent. Beim gesuchten Einkommensniveau sind die Zahlen noch deutlicher: 51 Prozent der Frauen, die mehr als 71.600 Euro pro Jahr verdienen, wünschen sich einen Mann in der gleichen Einkommenskategorie, wohingegen es bei den Männern nur 20 Prozent sind. Das heisst, Frauen orientieren sich mehrheitlich nach karrieretechnisch gleich erfolgreichen oder erfolgreicheren Männern. Sie daten also sozusagen nach oben. Nur: Gegen oben auf der Karriereleiter wird die Luft stetig dünner. Oder, wie es Prof. Dr. Hassebrauck ausdrückt: „Es gibt eben nicht so viele Männer, die den Ansprüchen der gut ausgebildeten Frauen entsprechen.“ So bleiben viele Frauen alleine. Insbesondere hochqualifizierte Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren haben keine Chance auf einen Partner. Der Pool an statushöheren Männern, die den Ansprüchen älterer Frauen genügen, wird noch kleiner. Entweder sind diese Herren schon in einer Beziehung oder wählen lieber eine jüngere Frau. Stellen sich Frauen also nicht selbst ein Bein, weil sie in karrieretechnischer Hinsicht emanzipiert sein wollen, aber dennoch auch selbst an gesellschaftlich verankerten Beziehungsidealen festhalten, d. h., sich einen starken, erfolgreichen Mann an ihrer Seite wünschen?

 

Downdating: Die Lösung?

Eine mögliche Lösung gegen Einsamkeit heisst Downdating. Erfolgreiche Frauen sollen sich mehr nach unten orientieren, damit der Pool an möglichen Partnern grösser wird. Wenn der Abteilungsleiter die Sekretärin heiraten kann, warum sollte die Ärztin nicht dem Pfleger das Jawort geben können? Wir sind in einer Zeit des Wandels, weshalb sollten wir uns bei der Partnerwahl immer noch auf die traditionellen Werte und Normen besinnen? Das Beuteschema heutiger, emanzipierter Frauen unterscheidet sich kaum von dem ihrer Grossmütter: Sie wollen einen Mann, zu dem sie „aufschauen“ können. Auch ergab eine Studie von FriendScout24, dass Machos mit ihrer dominanten Art vor allem bei jungen Schweizerinnen gefragt sind, da Machos ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Sogar 46% der Schweizerinnen zwischen 26 und 35 Jahren schätzen es, dass ihnen „auch mal einer sagt, wo es langgeht“. Bleiben wir etwa in Beziehungsangelegenheiten in traditionellen Rollenmustern, welche nicht mehr zu den Bedürfnissen der Frauen in der heutigen Gesellschaft passen, stecken? In diesem Zusammenhang wird Downdating als eine verheissungsvolle Lösung dieses Problems angesehen. Doch wie leicht fällt es uns tatsächlich, unseren Radar in Sachen Partnersuche zu erweitern? Was spricht für Downdating, was spricht allenfalls dagegen?

 

Überliste dein Beuteschema

In der Steinzeit waren alle Frauen verrückt nach Mr. Big. Verständlicherweise, denn er beschützte sie, brachte Nahrung nach Hause und ihre Kinder hatten die besten Überlebenschancen. Die Männer wiederum suchten sich die jüngsten, attraktivsten und fruchtbarsten Frauen, da sie die besten Erbanlagen versprachen. Doch wie sieht es im Jahr 2013 aus? Das Steinzeitprinzip dominiert noch heute. Da fragt man sich, warum es nicht an der Zeit ist, die traditionellen Rollenmuster und Beuteschemen über Bord zu werfen. Denn die neuen Entwicklungen sprechen für sich: Im Schnitt hat jede zweite Frau einen Hochschulabschluss, mehr denn je haben Frauen die Möglichkeit der ökonomischen Unabhängigkeit und Frauen tragen zunehmend zum Haushaltseinkommen bei. Wenn die Frauen von ihrem urgetriebenen Beuteschema etwas abweichen würden, hätten sie viel mehr Chancen bei der Partnerwahl. So erklärte uns auch Top Executive Coach Christina Kuenzle: „Für Downdating spricht, dass die Chancen auf eine glückliche Partnerschaft und die Heiratschancen zunehmen.“ Frauen haben nun die einmalige Möglichkeit, sich endlich in jemanden zu verlieben, ohne dass die Ehe der Lebenssicherung gilt. Schliesslich leben wir nicht mehr in Jane Austen’s Stolz und Vorurteil, als Mütter wie Mrs. Bennet ihren Töchtern eintrichterten, dass sie eine gute Partie ergattern müssten, weil sie sonst in finanzielle Nöte gerieten. Frauen wie Männer sollten lernen, neue Rollen zu übernehmen. Auch die Gesellschaft sollte sich öffnen und Männer, die als Hausmann oder Teilzeit arbeiten, nicht als unmännlich betrachten. Wieso nicht den Männern die Chance geben, sich zwischen Wickeltisch und Kochtopf zu verwirklichen? Egal, was die Kollegen und Nachbarn denken. Just do it!

Biologie lässt sich nicht so schnell Ändern

Das klingt alles gut und schön, dennoch ist das Konzept des Downdating nicht ganz so einfach umzusetzen. Wenn wir uns nun den Gegenargumenten für Downdating widmen, stellt Christina Kuenzle sofort klar: „Dagegen spricht, dass ein paar tausend Jahre Rollenprägung, in welcher die Frau jung und schön und der Mann stark und erfolgreich ist, nicht einfach mit ein paar bewussten Überlegungen weggeblasen werden können.“ Auch wenn wir uns von dem Ideal des besser verdienenden, erfolgreicheren Partners lösen und auch nach „unten“ suchen, wird das Downdating nicht zu einer Beziehung mit Zukunft führen, wenn man sich insgeheim immer noch wünscht, der Partner hätte doch denselben oder besseren Uniabschluss wie man selbst.

Glaubt man den gängigen Theorien, so suchen wir Frauen immer noch den Beschützer, welcher für unsere Kinder sorgen kann, also den Besserverdiener. Unsere Urinstinkte wollen schliesslich das Überleben unserer Nachkommen sichern. Dieses Verlangen mag heutzutage überholt sein und kein reelles Bedürfnis einer gut ausgebildeten, karrieretechnisch erfolgreichen Frau mehr darstellen, aber Biologie lasst sich wohl nicht so schnell ändern. Das Verlangen und der Traum, sich das Alpha-Männchen zu schnappen, ist nicht so leicht aufzugeben. Auch wenn wir einmal die klassischen Rollenbilder hinter uns gelassen haben, ist Downdating bezüglich der Rollenverteilung nicht unproblematisch. Wer sich eine Beziehung wünscht, in welcher beide Partner gleichgestellt sind, kann sich fragen, ob hier nicht einfach der Spiess umgedreht wird. Verdient die Frau mehr, steckt nun einfach der Mann seine Karriere zurück und hält ihr den Rücken frei, vielleicht sogar, indem er zuhause bleibt und den Haushalt schmeisst. Zudem sollte es nicht nur darum gehen, dass Frauen ihre Ansprüche an Männer herunterschrauben. Wieso sollten nicht auch die Männer ein kleines bisschen gegen die Biologie ankämpfen? Der Partnerschaftsexperte von FriendScout24, Prof. Dr. Manfred Hassebrauk, erklärt, dass Männer auch ältere Partnerinnen akzeptieren sollten, dies sei der langfristig bessere Weg als Downdating.

 

Die Frau als Brotverdienerin

Rational durchdacht klingt Downdating nach der idealen Lösung, da sich der Pool an potenziellen Partnern schlagartig vergrössern würde. Es stellt sich aber die Frage, ob wir bereit für dieses Umdenken sind. Oder fällt es uns Frauen doch ein bisschen schwerer als wir zugeben wollen, uns von der besagten Rollenprägung zu lösen? Wollen wir einfach zu viel? Die Frage ist auch, wie die Männer mit dem Karrierevorsprung ihrer Partnerin umgehen können. Kann sein, dass sie sich in ihrer traditionellen Rolle des Ernährers angegriffen fühlen oder dass sie einen Machtverlust hinnehmen müssen, wenn die Frau ökonomisch unabhängig ist.

GIRLS DRIVE 2Mögen Männer überhaupt gut ausgebildete und verdienende Frauen oder bevorzugen Sie eher das schwache weibliche Wesen? Der Partnerschaftsexperte von FriendScout24, Prof. Dr. Manfred Hassebrauck, meint, dass Status und Erfolg einer Frau für die meisten Männer kein Problem sind, vermutlich einfach schon deswegen, weil ihnen diese Merkmale bei der Partnerwahl nicht so wichtig sind. Dagegen sprechen die neuesten Forschungsergebnisse der Wirtschaftswissenschafterin Marianne Bertrand, Professorin für Wirtschaft an der University of Chicago Booth School of Business. Denn laut der Studie sinkt die Heiratshäufigkeit, wenn die Frau das Potenzial hat, mehr zu verdienen als ihr Mann. Zahlen zeigen, dass unter Erwachsenen im Alter von 25 bis 39 die Heiratshäufigkeit von 81 % im Jahr 1970 auf 51 % im Jahr 2010 zurückgegangen ist. Vermutet wird, dass der Rückgang von 29 % darauf zurückzuführen ist, dass es Männern nicht gefällt, wenn bei einem verheirateten Paar die Frau mehr verdient als der Mann. Denn in den USA ist es inzwischen normal, dass Frauen mehr Brötchen verdienen als ihre Männer. Dies trifft laut der Studie auf 24% der Paare zu, bei denen beide Ehepartner zwischen 18 und 65 Jahre alt sind. Spannend wäre hier zu wissen, ob auch die Scheidungsrate in solchen Ehen zunimmt. Hierzu liegen nur Zahlen aus der Schweiz von der Studie „Intelligent, schön, erfolgreich – und Single. Der stille Schmerz von Frauen in Führungspositionen“ von Christina Kuenzle vor. Sie untersuchte im Zeitraum 2004-2008 die Vereinbarkeit von Karriere und Familie bei weiblichen Führungskräften in der Schweiz. Die Studie zeigte, dass 2004 14 % der Frauen in Führungspositionen geschieden waren, während es 2008 bereits 24% waren.

 

Glücklich in einer Beziehung – keine Frage des beruflichen Erfolgs der beiden Partner

Offensichtlich ist es nicht so einfach, sich an neue Partnerschaftsmodelle und die Auflösung von Rollenbildern zu gewöhnen. Hat man es in eine Beziehung geschafft, gibt es unterschiedliche Modelle, die funktionieren können, um die Beteiligten glücklich zu machen. So erklärt uns Christina Kuenzle im Interview, worauf es wirklich ankommt, um in Einklang mit der Karriere beider Partner eine Basis für eine glückliche Beziehung zu schaffen: „Die Frau muss die Beziehungsarbeit genauso ernst nehmen wie ihre Karriere.“ Denn oft, wenn es beruflich bergauf geht, läuft in der Beziehung nicht alles rund. Bekanntlich neigen Menschen in Führungsfunktionen dazu, rund um die Uhr zu arbeiten, worunter die Beziehung leiden kann. Auch entsteht der Anspruch, alles müsse perfekt laufen, was als anstrengende Doppelbelastung empfunden wird. Kommunikation zwischen den Partnern ist dabei das A und O. Es sollte diskutiert werden, was bei beiden Partnern die Prioritäten sind, wie man gemeinsame Erlebnisse einplant und wie man auf die Bedürfnisse des Anderen Rücksicht nehmen kann. Laut Christina Kuenzle wird in Zukunft viel wichtiger, „dass ein Paar partnerschaftlich die Karrieren beider plant. Dazu ist es vorstellbar, dass beide ihre Karriere etwas zurückstecken, mehr aufeinander Rücksicht nehmen und einander viel Freiraum lassen“.

 

Frisst die Emanzipation ihre Kinder?

Diese Diskussion um erfolgreiche, aber einsame Frauen bezieht sich hauptsächlich auf die jetzt über 30 – bis 50-jährigen Frauen. Die erste Generation von Frauen, denen alles erlaubt war: wählen, studieren, Karriere machen, verhüten. Ist die Einsamkeit der Preis für die Emanzipation? Die Frage stellt sich, ob mit der Girls Drive-Generation, für die so viel selbstverständlich ist, alles anders wird. Wie aufgezeigt wurde, sind die Urbedürfnisse bei der Partnerwahl nicht so schnell zu überwinden. Doch bedeutet dies keineswegs einen Appell an heutige Studentinnen, auf einen Masterabschluss zu verzichten, damit sie ihre Chancen bei der Partnersuche nicht ruinieren. Im Gegenteil: Wir sind der Meinung, dass mit der jungen Frauen- und Männergeneration langsam ein neues Rollenbewusstsein heranwächst. Diese Vermutung bestätigt auch eine Studie von FriendScout24 zum Rollenwandel 2013: 36 Prozent der Frauen unter 25 Jahren können sich eine Beziehung mit einem Hausmann vorstellen, wohingegen nur noch 13 Prozent der über 50-jährigen Frauen dazu bereit sind. Solange alle Beteiligten sich bewusst für dieses Rollenmuster entscheiden und dies in die Öffentlichkeit tragen, wird die Gesellschaft nach und nach dieses Verständnis auch teilen. So würden die Fernsehserien bald vielleicht nicht mehr Desperate Housewives, sondern Desperate Husbands heissen.
Text: Kira Zemp und Linda Roniger

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