FRAUEN EROBERN EINE DER LETZTEN MÄNNERDOMÄNEN | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
Pink Xbox Controller

FRAUEN EROBERN EINE DER LETZTEN MÄNNERDOMÄNEN

Mrz 20 • Allgemein, BLOG, GENIESSEN, HIRN AUS, Lifestyle • 2157 Views • Keine Kommentare zu FRAUEN EROBERN EINE DER LETZTEN MÄNNERDOMÄNEN

In Zeiten in denen mehr als je zuvor über Themen wie die Frauenquote in Verwaltungsräten diskutiert wird, sind Klischees von den typischen Männer- und Frauenberufen ebenfalls längst nicht mehr passend. Frauen mit Interessen im technischen Bereich sind zwar noch in der Minderheit, aber weiter auf dem Vormarsch.

Eine aktuelle Studie des deutschen Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU), welche erst diese Woche veröffentlicht wurde, bestätigt nun auch, dass eine der letzten klassischen Männerdomänen immer mehr ins Interesse des weiblichen Geschlechts gerückt ist: Die digitale Spielewelt. Gemäss der Studie, die vom Marktforschungsinstitut GfK durchgeführt wurde, sollen zu Beginn des Jahres 2014 ganze 47 (!) Prozent der Nutzer digitaler Spiele in Deutschland mittlerweile Frauen sein. Dies entspricht einem Anstieg von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

13.5 Millionen Frauen in Deutschland spielen zudem regelmässig Computer- und Videospiele. Eine ganz schön beachtliche Zahl, die aber mit Blick auf die Entwicklungen im digitalen Spielemarkt nicht völlig überrascht. Dank der steigenden Beliebtheit von Konsolen wie beispielsweise der Nintendo Wii und den dazugehörigen Bewegungs-, Musik- und Tanzspielen, werden fernab von den üblichen Baller-Games und Ego-Shootern auch immer mehr Frauen in ihrem Spieltrieb angesprochen. Nach Aussagen von Nintendo CEO Satoru Iwata sollen dementsprechend bereits die Hälfte der Nintendo Nutzer Frauen sein. Dass die Branche das weibliche Geschlecht als potenzielle Kunden entdeckt hat, kann auch BIU-Geschäftsführer Dr. Maximilian Schenk bestätigen: „Das gängige Klischee, wonach Computer- und Videospiele eine Männerdomäne seien, gehört endgültig der Vergangenheit an. Vielmehr wird die Zielgruppe der Frauen und Mädchen für die digitale Spielebranche immer wichtiger“. 

Das Interesse für Videospiele hört aber nicht bei der Spiel-Anwendung auf. Technische Berufe in der Games-Industrie, wie die des Game Designers oder 3-D Modellierers, erfreuen sich bei Berufseinsteigerinnen ebenfalls steigender Beliebtheit. Deutsche Unternehmen setzen deshalb verstärkt auf weibliche Unterstützung. Um diese Entwicklung weiter zu fördern, öffnen viele grosse Firmen der Spieleindustrie für den deutschlandweiten Aktionstag Girls Day“ ihre Türen für interessierte Schülerinnen.

In der Schweiz scheint die Game-Entwicklerszene noch etwas weniger weit zu sein, vor allem weil grosse Investoren fehlen. Trotzdem kann seit 2004 an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) Game Design auf Bachelor- und Masterstufe studiert werden. Der Studiengang ist bislang der einzige seiner Art im Lande. Bezeichnend ist aber auch hier: Rund die Hälfte der immatrikulierten Studierenden ist gemäss einem Bericht im Tagesanzeiger weiblich.

Ganz befreit von Vorurteilen und frauenfeindlichen Spieleinhalten ist die Branche trotzdem bei weitem nicht. Mit den angesprochenen Entwicklungen könnte sich dies jedoch teilweise ändern. Denn Frauen haben andere Erwartungen an Videospiele, wie Spieleentwicklerin Kathleen Kunze gegenüber dem BIU erzählt: Frauen und Mädchen spielen weniger wettbewerbsorientiert. Ihnen geht es mehr darum, etwas aufzubauen und zum Laufen zu bringen, weniger darum, sich mit anderen zu messen. Frauen spielen sozialer.“ Um auf diese Bedürfnisse bei der Spieleentwicklung besser eingehen zu können, seien Frauen als Entwicklerinnen in der Branche sehr gefragt. 

Es bleibt also spannend abzuwarten, welche Auswirkungen die Eroberung dieser letzten Männerdomäne für den Spielemarkt haben wird.

Text: Priscilla Müllhaupt
Beitragsbild: włodi/flickr – Creative Commons (unmodified)

Comments are closed.

Related Posts

« »