Glück ist eine Frage des Trainings! | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
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Glück ist eine Frage des Trainings!

Jul 2 • BLOG, ERFAHRUNG, INTERVIEWS, Karriere, MENTORING & COACHING, RATGEBER, WACHSEN, WOHLBEFINDEN • 1100 Views • Keine Kommentare zu Glück ist eine Frage des Trainings!

Text: Sandra-Stella Triebl  Foto: Maura O’Donnell

Diese Frau ist in den USA ein Star. Die „New York Times“, das „Wall Street Journal“, „Fortune“, „Time“ oder Bloomberg TV und die „One World“ mit Deepak Chopra berichten über die gebürtige Russin und ihre Arbeit. Zudem betreut sie in den USA mit Sounds True jenen Verlag, der auch Eckhart Tolles Webauftritte koordiniert.


Nataly Kogan, das russische Flüchtlingskind, ist die Mitbegründerin und CEO von Happier, einem der führenden Wellness- und Tech-Unternehmen der USA mit der Mission, Millionen von Menschen glücklicher zu machen – und ihnen dabei zu helfen, Glück zu finden, zu kreieren, zu zelebrieren und unzählige Glücksmomente in ihr tägliches Leben zu holen.


Mehr als eine halbe Million Menschen benutzen die Happier-App bereits – Tendenz steigend. Die Technologie- und Lernplattform wurde in den letzten Monaten weltweit mit etlichen Preisen überhäuft – und ihr aktuelles Buch schiesst gerade in den Bestseller-Listen nach oben.
Entsprechend gut gebucht ist die 43-Jährige mittlerweile – von TEDxBoston bis zur Harvard Women’s Leadership Conference – oder der League of Leading Ladies Conference: Nataly will uns zeigen, wie man dem Glück einen festen Platz in seinem Leben schafft und wie man mit ihren Techniken eine neue Unternehmenskultur kreiert. Und das ist kein Hokuspokus, sondern: eine Frage des Trainings.

 

Girls Drive: Wenn du an deine Kindheit zurückdenkst – welcher Duft aus diesen Tagen kommt Dir in den Sinn?
Nataly Kogan: Was für eine wunderbare Frage! Ich hab schon Tausende Interviews in meinem Leben gegeben, keines hat mit so einer Frage begonnen! Okay, zwei Düfte fallen mir ein. Der eine ist, wie die Kleider meiner Mutter geduftet haben. Wir lebten in Leningrad in Russland, aber die Eltern meiner Mutter im Süden in Baku. Jeden Sommer reiste ich nach Baku, um die Ferien mit meinen Grosseltern zu verbringen, und es war immer aufregend. Aber ich hab meine Eltern vermisst, die immer nur für eine Woche dazukommen konnten, weil sie arbeiten mussten. Meine Mutter besass einen ganz einfachen Baumwollbademantel, den sie in Baku zurückliess, wenn der Sommer vorbei war. Wenn sie jeweils wieder wegfuhr, bin ich an ihren Kleiderschrank gegangen und habe meine Nase in dem Bademantel vergraben. Jeden Tag. Und der andere Duft ist der von Crème-Brûlée-Eiscreme. Es konnte minus 20 Grad kalt sein: Wenn es Crème-Brûlée-Eis gab, war meine Welt in Ordnung.

 

Welche Erinnerung hast du an das Russland aus der Zeit, in der du aufgewachsen bist?
Wir sind Juden. In der ehemaligen Sowjetunion, in der ich aufwuchs, wurden Juden verfolgt. Wir waren offiziell Menschen zweiten Grades. Es stand sogar in meinem Pass: Nationalität: Jüdisch, nicht Russisch. Somit war auf der einen Seite das Gefühl, dass man uns nicht duldet. Und ich bin damit gross geworden, dass meine Eltern immer überlegt haben, wie wir das Land verlassen könnten. Auf der anderen Seite taten meine Eltern alles, um mich vor Verfolgung und der Unbill des Lebens in der Sowjetunion zu schützen. Wenn du mich nach meinen Kindheitserinnerungen fragst, ist da vor allem Liebe, ganz viel Wärme. Ich erinnere mich auch an meine Schulzeit. Ich war eine Musterschülerin. Die Sowjetunion hat eine Menge falsch gemacht, aber in puncto Bildung hat sie alles richtig gemacht. Bildung stellte einen Wert dar, es war cool, klug zu sein, es war cool, hart dafür zu arbeiten. Ich war Klassensprecherin in den ersten vier Klassen und hab lauter positive Erinnerungen an die Zeit. In der vierten Klasse, so circa 1987, noch bevor der Eiserne Vorhang fiel, vor Perestroika, gab es so etwas wie einen Putsch in meiner Klasse, und man wählte mich ab. Ich war baff, ich hab nicht verstanden, was passiert war. Es stellte sich heraus, dass die Eltern eines Mädchens aus meiner Klasse ihr gesagt hatten, ich sei Jüdin, und Juden könnten unmöglich Klassensprecher sein. Also haben sie das angezettelt. Die Realität begann, in meine kleine Bubble zu sickern. Ich war auch Tänzerin in einer berühmten Kindertanzgruppe in Russland. Wir sind in sehr grossen Hallen aufgetreten, es war mir aber nie erlaubt, die Stadt zu verlassen. Wenn also die Kompanie in andere russische Städte reiste, durfte ich nicht mit. Meine Eltern argumentierten, ich würde nicht hart genug trainieren. Sie wollten mir die Wahrheit ersparen, dass ich als Jüdin nicht das Recht hatte, zu reisen. Also begann ich, mich der Herausforderung zu stellen, was es hiess, Jüdin zu sein.

 

Was haben all diese Erfahrungen mit dir gemacht?
Interessante Dinge. Kurz nachdem wir ausgereist waren, lebten wir in Flüchtlingsunterkünften erst in Wien, ausserhalb von Rom und schliesslich in den USA. Zurückblickend habe ich mich immer unsicher gefühlt. Der Boden unter meinen Füssen war nicht mehr sicher. Ich habe das Vertrauen verloren. Als wir in den USA ankamen, habe ich mich geweigert, mein Zimmer einzurichten, weil ich dachte, wir würden ja sowieso nicht bleiben. Eine Erfahrung, die noch viel weiter zurückreicht und noch aus der Zeit stammte, als ich dachte, etwas stimmt nicht mit mir, so wie ich bin. Das Schlimme am Flüchtlingsein war, die grosse Angst meiner Eltern zu erleben.
Meine Eltern waren immer meine Helden. Und jetzt waren sie ängstliche Flüchtlinge, die mich nicht mehr beschützen konnten. Das hat mein Grundvertrauen noch mehr erschüttert. Dieses Wissen: Du bist nicht sicher, nichts ist sicher! Wir sind in die USA ausgewandert, als ich 13 Jahre alt war. Ich realisierte, dass ich die Aufgabe der Eltern übernehmen musste, das war nicht leicht. Ich lernte die Sprache schneller und begleitete meinen Vater zur Bank, damit er ein Konto eröffnen konnte. Anstatt dass meine Eltern mich beschützten und mir zeigten, was man machen muss, war ich auf mich allein gestellt. Meine Erfahrung als Flüchtling gab mir das Bewusstsein, dass ich alles selbst herausfinden muss und dass ich für die guten Dinge im Leben kämpfen muss. Das Leben sah ich als Kampf. Und dass alles schwer sein würde.

Wenn du das Wort „Kampf“ aussprichst, klingt es nach Krieg …
Am Ende des Tages war es das doch auch, oder? Wir waren so dankbar, dass wir in die USA kommen konnten. Aber wir fanden uns wieder in einer Situation, in der wir von Sozialhilfe lebten mit sehr wenig Geld. Mein Vater, ein arrivierter Wissenschaftler, musste praktisch von vorn anfangen, meine Mutter, die Klavierlehrerin an einem der besten Konservatorien von St. Petersburg war, ebenso. Und ich, die Musterschülerin aus Russland, verstand auf einmal nicht mal, was die Lehrer sagten. Eine ganz eigene Form von Krieg. Ich würde das Wort so eigentlich nicht gebrauchen, aber in mir tobte es: Hey, um erfolgreich zu werden, muss ich beweisen, dass ich es verdient habe, hier zu sein. Ich muss bedeutende Dinge tun, grosse Dinge, damit sich die harten Zeiten, durch die meine Eltern und ich gehen mussten, gelohnt haben. Von da stammt meine Zielstrebigkeit. Sie entspringt eigentlich einer glücklichen Fügung, aber für mich fühlte es sich an, wie wenn ich da rausgehen muss, etwas erreichen muss und mich um meine Familie kümmern muss. Erst dann würde es uns gutgehen, erst dann könnten wir glücklich und sicher sein.

 

Konntest du diese Erfahrung jemals loslassen?
Ich bin 43 Jahre alt. Vor drei Jahren, ungefähr in der Zeit, als ich mein Buch** schrieb, ging ich durch eine sehr dunkle Phase und wusste nicht, was mit mir passiert. Ich realisierte nicht, dass ich viele Jahre damit zugebracht hatte, zu kämpfen, 20 Jahre, in denen ich mir keine Ruhe gegönnt habe, in denen ich nie das Gefühl hatte, gut genug zu sein. Von aussen sah das vollkommen anders aus. Ich hatte eine unglaubliche Karriere hingelegt, war sehr erfolgreich, habe Bücher geschrieben, war im Fernsehen – das wirkte toll! Aber in meinem Inneren war ich ständig am Kämpfen, überwältigt von dem Gefühl, nicht gut genug zu sein. Irgendwann hielt ich das nicht mehr aus. Alle diese Gefühle, die sich aufgestaut hatten, seit wir in die USA gekommen waren, alle diese Ängste brachen aus mir heraus. Das war eine schlimme Zeit, in der ich nicht gewusst habe, wie es weitergehen soll. Ich konnte schlicht nicht mehr kämpfen. Wir machen alle dunkle Zeiten durch. Sie beeinflussen deine Ehe, deine Firma, einfach alles. Aber ich bin der Überzeugung, man muss diese dunklen Zeiten durchstehen, um zu lernen, wie man sein Leben ändern kann. Ich hatte Glück, ich traf eine Frau, die zu meiner Lehrerin wurde, meine geistige Führerin. Noch vor fünf Jahren hätte ich das Wort „spirituell“ niemals in den Mund genommen, ich komme ja aus einer sehr intellektuellen Familie. Mit ihrer Hilfe, mit einer Menge schwieriger Arbeit an mir selbst, konnte ich endlich zum ersten Mal in meinem Leben loslassen. Meine Ängste, dass ich nicht genug war. Ich begann, aufzuarbeiten, musste ganz was Neues lernen: mir zu verzeihen, nett zu mir zu sein, lernen, mich zu lieben. Ich lernte, dass sich selbst zu verzeihen nicht gleichbedeutend mit Schwäche ist, sondern dass es einen stärkt. Ich habe gelernt, dass das Leben kein Kampf sein muss. Dass man manchmal auch einfach den Dingen seinen Lauf lassen kann. Ich habe diese Erfahrung erst mit 40 gemacht, ein langer Weg.

 

Eckhart Tolle sagt: Wenn du anfängst zu kämpfen, hast du bereits verloren. Kämpfen ist immer schlecht für dich.
Ich bin stolz auf vieles, das ich erreicht habe, und habe immer noch grosse Ziele. Vieles, das ich getan habe, habe ich aus Furcht getan. Es ist nicht so, dass ich keine Angst mehr habe, die haben wir bis zu einem gewissen Grad alle. Aber ich bin mir sehr wohl bewusst, wann ich etwas aus Angst mache, und versuche, mehr und mehr aus Liebe zu tun. Liebe, das kann Hingabe sein, Leidenschaft. Auf jeden Fall ist es eine ganz andere Art zu leben. Aufgrund dieser Erkenntnis habe ich mein Buch geschrieben. Es ist der Auslöser, warum ich diese Arbeit mit meiner Firma Happier mache, warum ich Workshops abhalte in Unternehmen, warum ich zu den Leuten spreche. Es fühlt sich an, als ob ich Wasser in der Wüste gefunden hätte! Ich bin so dankbar, ich darf zu Zehntausenden Menschen jedes Jahr sprechen, ich arbeite mit herausragenden Personen, die in den letzten drei Jahren in mein Leben getreten sind und die meine Vision teilen, Dinge aus Liebe und nicht aus Furcht zu tun.
Und auf einmal wird alles ganz einfach und unbeschwert wie noch nie … Dann muss man nicht mehr so viel strampeln. Es wird immer Herausforderungen geben im Leben, aber eine Herausforderung ist etwas anderes als ein ständiger Kampf.

 

Wie ist das, wenn man gewohnt ist, Dramen im Leben zu haben, Kämpfe? Kann es nicht beängstigend sein, ein leichtes Leben voller Liebe zu führen?
Und wie! Auf eine gewisse Art war Leiden meine Religion! Ich habe das Leiden angebetet. Leiden hat man mir in der Familie beigebracht. Wie meine Grossmutter. Sie war eine unglaubliche Frau, die so viel Liebe gegeben hat, aber es in Leiden ausdrückte. Sie war zum Beispiel eine wunderbare Köchin. Sie hat zehnstöckige Torten gezaubert, alles von Hand, einfach traumhaft. Aber ein Teil des Backens war das Leiden. Wenn eine der Kuchenschichten nicht gelang, hat sie Stunden, manchmal Tage damit zugebracht. Das hat sie getan, bis sie 80 Jahre alt war. Wenn wir dann den Kuchen gegessen haben, hat sie uns gesagt, wie unendlich schwierig es war und wie kaputt sie vom Backen war. Sie tat es nicht, um sich zu beschweren, es war ihre Art, Liebe auszudrücken. So ist das einfach. Ich hatte immer das Gefühl, die Menschen mögen mich nicht um meiner selbst willen, sondern weil ich ganz viele Sachen machen muss, um meine Liebe zu beweisen. Wenn man gelernt hat, für alles zu leiden und zu kämpfen im Leben, ist es nicht leicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass etwas gut kommt, ausser ich habe dafür gelitten, gearbeitet und gekämpft. Hast du gewusst, dass man von den Russen sagt, sie könnten drei Dinge besonders gut: Leiden, andere leiden zu lassen und sich übers Leiden zu beschweren (lacht)? Es stimmt! Hundertprozentig! Heute kann ich darüber Witze machen, aber man muss wissen, dass unsere Wurzeln unsere Wurzeln sind, und die sind tief. Bis heute fällt es mir schwer, Vertrauen zu haben, das Vertrauen, nicht für alles, was mir guttut im Leben, kämpfen zu müssen.

 

Wenn Buddha sagt, das Leben ist Leiden, kannst du das unterschreiben?
Ich habe zehn Jahre lang Buddhismus und Yoga studiert. Es beeinflusst vieles von dem, was ich schreibe und was ich tue. Ich habe mich auch mit den Interpretationen von Buddhas Worten befasst. Was er, glaube ich, sagt, ist: Das Leben hat Leiden. Akzeptiert das. In der Philosophie, die ich mit Happier vermittle, ist ein Grundgedanke, dass wir über Glück anders denken lernen müssen. Wie viele Menschen habe ich immer gedacht, wenn man glücklich ist, geht es einem immer gut. 24/7. Wenn ich nur hart genug arbeite, wird eine Zeit kommen, in der alles gut wird und ich mich permanent gut fühlen werde. Es mag dumm klingen, aber viele Leute denken so. Man hat uns beigebracht, negative Gedanken in positive umzuwandeln. Aber im Grunde genommen ist die wahre Zufriedenheit, mehr Freude am Leben zu haben. Aber auch zu lernen, zu akzeptieren, wenn man sich nicht gut fühlt. Ich lehre fünf Happier-Fähigkeiten, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Die erste ist Akzeptanz. Teil der Akzeptanz ist, zu akzeptieren, dass es manchmal Leiden gibt. Manchmal geht es einem nicht so gut. Und das ist in Ordnung! Ich glaube, das ist es, was Buddha uns sagen will. Es gibt kein Licht ohne Dunkelheit.

 

Und wir leiden, weil wir das Leiden antizipieren!
Genau! Ich nenne es das Tal des Leidens. Es ist der Raum zwischen dem, wie etwas ist, und dem, wie wir uns etwas wünschen, dass es wäre. Dazwischen liegt das Tal des Leidens. Ich lebe in Boston, und im Winter freue ich mich auf den Frühling. Im April gehe ich dann vor die Tür und sage: jetzt wird es aber Frühling! Aber manchmal ist es noch recht kalt im April in Boston. Und ich denke, nein, das kann nicht sein! Es soll Jetzt warm sein! Ich werde dann wütend und traurig, warum ist es nicht warm? Stell dir das mal vor! Ich schaffe mir mein eigenes Leiden, weil etwas, das ich nicht mal kontrollieren kann, das Wetter eben, nicht so ist, wie ich es mir vorgestellt habe (lacht). Ziem- lich lächerlich! Aber wir machen das alle irgendwie. Bei der Arbeit: Oh nein, das ist nicht so, wie es sein soll! Die Menschen in unserem Leben: Sie sind nicht, wie sie sein sollten. Der Strassenverkehr: Gar nicht, wie er sein sollte! Der erste Schritt ist, zu erkennen, wie wir in das Tal des Leidens geraten sind, immer wieder. Leiden muss nicht sein.

 

Es gibt also eine Checkliste, wie man so richtig glücklich werden kann? Das klingt zu schön, um wahr zu sein …
Ich würde nicht von einer Checkliste reden, aber ich bin davon überzeugt, dass Glücklichsein eine Fähigkeit ist. Und Fähigkeiten kann man trainieren und besser darin werden. Ich sehe unsere emotionale Gesundheit und das Glücklichsein als eine Fähigkeit, das ist ein Kernpunkt. Früher dachte ich, ich bin glücklich, wenn dies und das eintritt. So funktioniert das aber nicht. Aber es ist keine Checkliste nach dem Motto, wenn ich das jeweils einmal abgehakt habe, reicht es. Eine meiner wichtigsten Missionen im Leben ist, Glückseligkeit nicht als Ist-Zustand anzusehen, sondern als fortlaufenden Prozess. Wenn man vom Glücklichsein redet, ist es nicht etwas, was man spürt, sondern etwas, was man tut. Wenn wir uns bloss mehr für diesen Gedanken erwärmen könnten! Das bestärkt einen doch sogar! Das bedeutet doch, egal wie dein Background ist, egal wo du gerade bist, du kannst immer anfangen zu üben. Und wenn du übst, wirst du besser. Es ist wie mit allem im Leben, ob Kochen, Klavierspielen, Reden halten. Es gibt drei Dinge, die ich über das Glücklichsein gelernt habe. Erstens: Glücklichsein ist eine Fähigkeit. Zweitens: Es geht nicht darum, andauernd positiv zu sein, sondern darum, wie man mit jedem Moment tagtäglich umgeht, egal ob wir ihn gut finden oder nicht. Und drittens: Unsere Glückseligkeit ist kein Bonus, nichts, was wir in unserem Leben oben drauf bekommen. Ich habe Glücklichsein wie einen Preis angesehen. Aber es ist die Basis. Unsere emotionale Gesundheit ist die Basis für ein sinnvolles Leben. Sie ermöglicht uns, alles im Leben zu tun, was wir wollen, im Business, auf kreativer Ebene, in unseren Familien. Menschen, die glücklicher sind, sind gesünder, produktiver, kreativer, sie helfen anderen mehr.

 

Wir haben also die Wahl, glücklich zu sein, weil wir es üben können. Das ist ein grossartiger Ansatz! Magst du uns die fünf Fähigkeiten noch näher beschreiben, über die du in deinem Buch** sprichst?
Sehr gern! Wir nennen es die „Happier-Methode“. Die fünf Fähigkeiten sind Akzeptanz als ein Weg, sich und sein Leben urteilsfrei zu betrachten, ohne die Realität zu verleugnen.Auf eine gewisse Art und Weise ist Akzeptanz eine Möglichkeit, das Leiden zu reduzieren, das wir aufbauen, und sie gibt uns die wunderbare Gelegenheit, schwierige Gefühle besser anzunehmen. Die zweite Fähigkeit ist Dankbarkeit. Ich denke, wir alle wissen, dass Dankbarkeit uns guttut. Ich sage immer: Dankbarkeit ist wie Brokkoli. Nur weil man weiss, dass Brokkoli gesund ist, macht er uns nicht automatisch gesünder. Man muss ihn auch essen. Also übt Dankbarkeit. Dankbar zu sein für die kleinen guten Dinge im Leben, die wir oft für selbstverständlich halten. Dankbarkeit bedeutet auch, sie gegenüber anderen Menschen auszudrücken. Wir gehen oft davon aus, dass die Menschen wissen, dass wir sie schätzen. Es gibt so viele Studien zu dem Thema, die beweisen, dass Beziehungen stärker sind, wenn wir Dankbarkeit zeigen. Unsere beruflichen Beziehungen sind stärker, wir bauen Vertrauen auf. Die dritte Fähigkeit ist das, was ich „absichtliche Freundlichkeit“ nenne. Der schnellste Weg, sich besser zu fühlen, wenn es einem gerade nicht so gut geht, ist, jemandem zu helfen. Zuerst schüttet unser Gehirn Oxytocin aus, wenn wir etwas Nettes tun. Und jedes Mal, wenn wir nett zu jemand anderem sind, erinnert es uns daran, dass wir nicht allein sind. Die vierte Fähigkeit nenne ich „das grössere Warum“. Ich glaube nicht, dass man glücklicher und gesünder im Leben sein kann, wenn man nicht davon überzeugt ist, etwas Sinnvolles zu machen. Schau dir an, was du im Leben machst, und frag dich: Wem kann das helfen? Die grössten Geschichten über den Sinn des Lebens stecken in den alltäglichen Dingen. Die Frage ist: Verstehen wir wirklich, wie das für jemanden etwas Gutes bewirkt oder für etwas, das grösser ist als wir selbst? Und die letzte Fähigkeit ist Selbstachtung und sich selbst zu verzeihen. Die meisten von uns sind viel gröber zu sich selbst, als sie es zu anderen wären. Weil wir nicht nett mit uns umgehen, denken wir, es macht uns zu einem besseren Menschen. Aber wir sollten üben, uns selbst zu achten und uns wie einen guten Freund zu behandeln.

 

Mit deinem Buch** und deiner Firma Happier bist du ziemlich berühmt geworden in den USA …
Ich kann dir sagen, dass sich das immer noch komisch anfühlt für mich.

Warum?
Ich bin froh, so viele Menschen erreichen zu können, und freue mich, dass ich helfen kann. Es gibt keine grössere Freude im Leben. Mein Leben macht so viel Sinn. Ganz nah dran am Sinn des Lebens zu sein ist ein weiterer Weg, durch Schwierigkeiten hindurchzukommen. Manchmal ist das, was ich mache, nicht leicht, ich habe mich der Welt geöffnet. Mir ist wichtig zu wissen, dass das, was ich öffentlich teile, den Menschen hilft.

 

ICH EMPFEHLE EUCH FOLGENDE LINKS UND WEBSITES:
www.happier.com
www.soundstrue.com

Michael A. Singer: The Surrender Experiment. My Journey into Life’s Perfection. 2015.
** Nataly Kogan. Happier. How to Stop Chasing Perfection and Embrace Everyday Moments (Even the Difficult Ones). 2018.

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