ICH WILL SPÄTER NICHT IN MEINEM AKTUELLEN STUDIENFACH ARBEITEN… | GIRLS DRIVE | DAS KARRIEREMAGAZIN FUR STUDENTINNEN MIT DRIVE
Brigitte Läderach

ICH WILL SPÄTER NICHT IN MEINEM AKTUELLEN STUDIENFACH ARBEITEN…

Apr 19 • BLOG, First Job, Karriere, RATGEBER, WACHSEN • 1658 Views • Keine Kommentare zu ICH WILL SPÄTER NICHT IN MEINEM AKTUELLEN STUDIENFACH ARBEITEN…

…dieser Gedanke taucht immer wieder und regelmässig auf, die Gründe dafür sind so vielschichtig und unterschiedlich, wie die Fachrichtungen, aus denen die Studierenden stammen, welche sich diese Frage stellen.

Trotz sorgfältiger Planung und Informationen stellen einige bereits im Verlauf des Bachelors fest, dass der Studiengang nicht ihren Vorstellungen entspricht, andere machen die Erfahrung während der Praktika, dass der Studiengang zwar interessant und spannend, das Arbeiten im Job aber nicht befriedigend ist. Die erste und wahrscheinlich auch wichtigste Frage ist natürlich, dass man sich fragt, ob es sich denn einfach um einen Durchhänger handelt, ob man das Praktikum in einem falschen Umfeld gewählt hat, oder ob das Gefühl, im falschen Bereich unterwegs zu sein, bereits länger anhält.

Ein genaueres Hinsehen, idealerweise unterstützt und ergänzt mit einer Aussenperson kann am besten Klarheit verschaffen. Was war denn die ursprüngliche Motivation und Vorstellung, weshalb man sich für dieses oder jenes Studienfach entschieden hat? Welche Erwartungen hatte und habe ich an meinen Beruf, den Arbeitsinhalt, die Infrastruktur, welche Kompetenzen und Fähigkeiten möchte ich im Alltag einsetzen, wie soll mein Arbeitsumfeld aussehen… alles wichtige Informationen, um zu vergleichen und herauszufiltern, ob es wirklich das unpassende Studienfach ist, oder eher die damit verbundenen fixen Vorstellungen des „Standard-Karriereverlaufs“, die mit einem bestimmten Studienfach einhergehen. Das heisst, wenn ich mein Studium im Bereich Finance&Accounting belege, muss ich nachher bei einem Finanzinstitut oder allenfalls noch in der Beratung einsteigen – auch wenn das für 90% der Studienkollegen zutreffen mag, muss das für mich nicht stimmen, und noch besser, ich muss deswegen noch lange nicht, das falsche Studienfach gewählt haben – denn gerade auch die NGO’s oder internationale Hilfswerke suchen dringend Finanzmenschen und deren Knowhow, dieses Fachwissen kombiniert mit einem anderen Typus Mensch, welcher vielleicht weniger in die Bankenwelt passt.

Wer aber überzeugt ist, dass ihn das Wissen, was er sich gerade aneignet nicht sein Ding ist, der soll sich frühzeitig informieren, wie er sich umorientieren kann – ideal ist natürlich ein Richtungswechsel nach dem Bachelor, wo man mit den verschiedenen konsekutiven Master bereits einen nächsten Akzent setzen kann. Wer die Erkenntnis und Überzeugung erst nach dem Master erlangt, dass er sich in eine andere Richtung entwickeln will, dem bleiben noch viele Türen und Möglichkeiten offen, sofern er denn bereit ist, irgendwo neu einzusteigen und die damit verbundenen Konsequenzen hinzunehmen, von Stoff nachholen bis Abstriche beim Einstiegslohn hinzunehmen. On –the-job ist Fachwissen durchlässiger und Vernetzung mit anderen Fachgebieten unumgänglich geworden – was die Chance auf einen Einstieg im „berufsfremden“ Bereich erhöht, solange man die Motivation dafür überzeugend rüberbringen kann. Das heisst erst Mal, ich muss ganz klare Vorstellungen haben und selber davon überzeugt sein, was ich denn will und wohin ich denn will – mit der Haltung, könnte ich ja auch mal ausprobieren, funktioniert natürlich nichts und das Gegenüber, sprich zukünftiger Arbeitgeber investiert nicht in uns als Versuch. Wenn ich aber mit einem Master in Kommunikation ganz klar darlegen kann, weshalb ich jetzt in die Wirtschaftsprüfung eintreten will, welche bisherigen Kompetenzen mir dabei behilflich sein werden, welche Extrakurse ich belege und wie allenfalls Fachwissen aufarbeiten kann, ich bereit bin, dass mein Startlohn nicht einem Master in Bankind&Finance entspricht, dann habe ich durchaus gute Chancen einen Richtungskurs vorzunehmen.

Aufgrund von wissenschaftlichen Studien, wissen wir, dass heute niemand mehr in seinem ursprünglich erlernten Beruf oder Startjob pensioniert werden wird, sondern gemäss Trendvoraussage steht der statistische Durchschnitt bei 3 unterschiedlichen Berufen, welcher jeder während seiner beruflichen Laufbahn durchlaufen wird – das vermag vielleicht den akuten Frust nicht zu schmälern, wenn man sich im falschen Studienfach glaubt, hilft aber hoffentlich trotzdem, sich dem Thema Neu- und Umorientierung bewusst zu stellen und allenfalls die richtige professionelle Unterstützung beizuziehen.

Text und Bild: Brigitte Läderach

*Brigitte Läderach war Head Student Career Services der HSG Universität St. Gallen und 18 Jahre in der Unternehmensberatung tätig, darunter 10 Jahre bei den BIG4.

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