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JOURNALISMUS, AHOI – PRAKTIKUM BEIM RADIO

Jan 27 • ARBEITEN, BLOG, ERFAHRUNG, Karriere, WACHSEN, WEITERBILDUNG • 2011 Views • Keine Kommentare zu JOURNALISMUS, AHOI – PRAKTIKUM BEIM RADIO

Habt ihr euch auch schon mal überlegt, wie es wäre, im Radiostudio zu stehen und eine Sendung zu moderieren? Oder als Reporter live von einem Openair aus zu berichten? Praktika bei Ausbildungsradios sind die ideale Chance, den Traum Realität werden zu lassen.

Als ich die Zusage erhielt für mein Praktikum bei einem Deutschschweizer Ausbildungsradio, war ich glücklich und nervös zugleich. Radio bedeutete für mich bis anhin, von Moderatoren wie Büssi, Dani Fohrler oder Riccarda Simonett Trepp durch den Tag begleitet und unterhalten zu werden. Ob ich so etwas auch könnte? Ich würde es bald herausfinden. Also nichts wie los!

Die ersten Tage waren enorm anstrengend, denn am Anfang erscheint der Radio-Kosmos wie ein undurchdringlicher Dschungel: Das Mischpult im Studio hat viel zu viele Knöpfe, das Schnittprogramm viel zu viele Einstellungsmöglichkeiten, der optimale Abstand zum Mikrofon will sich nicht ergeben und ach ja, welches sind denn nun die fünf passenden O-Töne für meinen 3-minütigen Beitrag aus dem 10-minütigen Interview? Doch schnell lernte ich die Regel Nr. 1, die für die Journalismuswelt mehr gilt als für jede andere Branche: sich nie einschüchtern lassen! Mir wurde rasch klar, dass Radio machen keineswegs einfach ist aber auch kein Ding der Unmöglichkeit darstellt.

Der Vorteil vom Praktikum bei einem Ausbildungsradio ist, dass man – wie es der Name bereits nahelegt – eine radiojournalistische Ausbildung erhält. Bei meinem Radiosender erhalten die PraktikantInnen Kurse in allen mögliche Bereichen: von Studio- und Sprechtechnik über das Bauen von Beiträgen, Moderieren, Interviewen und Recherchieren bis hin zu multimedialem Journalismus und Medienethik. Trotz dieser Kurse wurden wir ins kalte Wasser geworfen, da wir von Beginn weg Beiträge machten und moderierten – egal ob wir den entsprechenden Kurs schon gehabt hatten oder nicht. Aber auch dies gehört zu einem Praktikum im Journalismus.

Mein Praktikum dauerte ungefähr zweieinhalb Monate; länger lag in den Semesterferien leider nicht drin. Normalerweise dauern die Praktika drei Monate. Wir waren eine Gruppe von 7 Praktikantinnen, die verantwortlich waren für 5 wöchentliche Sendegefässe von je 1-2 Stunden. Dies bedeutete, dass wir diese Sendungen mit Inhalten, sprich Beiträgen, füllen und moderieren durften. Diese Sendungen hatten bestimmte inhaltliche Ausrichtungen – z.B. gab es eine Kulturstunde oder eine Quizsendung – und vorgegebene Rahmen für die einzelnen Beiträge (z.B. gestaltete sich die Kulturstunde u.a. aus einem Beitrag über eine wichtige kulturelle Persönlichkeit und einen Beitrag zu einer aktuellen Kultur-Veranstaltung). Damit wir diese Sendungen mit Inhalten füllen konnten, hatte jede Praktikantin ein sogenanntes „Ämtli“ inne. So war z.B. jemand dafür verantwortlich, Porträts über interessante Personen zu sammeln; ich hatte die Aufgabe, spannende kulturelle Anlässe herauszusuchen.

Nebst diesen wöchentlichen Sendegefässen kriegte jede Praktikantin die Gelegenheit, eine Schwerpunktsendung zum Thema ihrer Wahl zu gestalten. Diese Sendung dauerte 1 Stunde, was ungefähr 5 Beiträge bedeutete. Wir suchten unsere Gesprächspartner aus und interviewten diese, um damit die Beiträge bauen zu können. Zuletzt moderierten wir die Sendung. Die Herausforderung, die uns mit diesen Schwerpunktsendungen bewusst gestellt wurde, lag in der eigenverantwortlichen Sendungskonzeption: Hier war nichts vorgegeben, wir hatten die ganze Stunde selbst zu planen.

Weiter gab es immer wieder spezielle Events, über die wir live vor Ort mit dem Sendebus berichteten. So besuchten wir Openairs, Konzerte und Filmfestivals. Einmal im Monat hatten wir den „Regionentag“. Dann fuhren mit dem Sendebus an einen Ort aus einem jeweils anderen Kantonsbezirk, interviewten dort z.B. Vereinsmitglieder oder Politiker, schnitten die Beiträge im Sendebus zusammen und zwei Praktikantinnen moderierten schliesslich die zweistündige Sendung aus dem Bus. Diese Anlässe waren eine gute Übung, unter Zeitdruck Beiträge zusammenzustellen – es kam vor, dass man nur 1 Stunde Zeit hatte für Interview und Schneiden – und live zu moderieren.

Ihr seht, das Praktikum bei diesem Ausbildungssender bestand nicht aus Kaffee holen und Kopien machen, wie das bei vielen Praktika leider der Fall ist. Nein, wir mussten, oder besser gesagt, durften Radio machen! Die 10 Wochen waren aufregend und machten viel Spass; es war aber auch nicht immer einfach, der Druck war gross, das Praktikum zeitintensiv und anstrengend. Und ab und zu, wenn der Druck zu gross wurde, kam es auch mal zu Tränen. Nichtsdestotrotz war es eine der besten Erfahrungen meines Lebens, denn ich erlernte einerseits das Handwerk des Journalismus von Grund auf und merkte, dass ich mir meine Zukunft durchaus in diesem Bereich vorstellen könnte; andererseits war das Praktikum eine menschliche Schulung, was Solidarität, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft angeht – vermutlich um so mehr, weil der Druck gross war –, und ich fand unter den Praktikantinnen gute Kolleginnen.

Als Fazit möchte ich euch die für mich 5 wichtigsten Dinge weitergeben, die ich von meinem Radiopraktikum mitgenommen habe:

1. Habt keine Angst davor, ins kalte Wasser geworfen zu werden! Glaubt mir, es ist der schnellste Weg, schwimmen zu lernen.

2. Es ist kein Meister vom Himmel gefallen – ihr dürft und sollt sogar Fehler machen! Jedem passiert mal eine technische Panne, wenn er on air ist, und jeder vergisst mal eine Frage während des Interviews. Wichtig ist, sich davon nicht unterkriegen zu lassen und daraus zu lernen.

3. Traut euch! Wer nicht probiert, der wird nie herausfinden, ob ihm das Radio machen liegt oder nicht. Und gerade das ist ja das Ziel eines Praktikums: herauszufinden, ob man sich vorstellen könnte, diesen Beruf später einmal auszuüben. Nutzt daher jede Chance, zu berichten und zu moderieren – das Mikrofon ist keine heisse Kartoffel.

4. Seid offen und bekundet Solidarität – ihr sitzt im gleichen Boot wie die anderen PraktikantInnen! Die meisten werden mal an den Punkt kommen, wo es ihnen zu viel wird. Wenn ihr an diesem Punkt seid, seid ihr froh, wenn auch jemand für euch da ist.

5. Und last but not least: geniesst es! Manchmal ist man mitten im Stress und vergisst, dass Freude bei einer Tätigkeit das Wichtigste ist. Versucht daher, das Ganze immer auch etwas aus der Distanz zu betrachten und Pannen oder Stress runterzubrechen. Mit einem Lächeln fällt alles ein bisschen leichter.

 

Text: María Colón
Bild: JWA Commons – flickr.com/photos/jwacommons – Flickr Die Commons

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