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Ikea-Malin

KARRIERE @ IKEA

Mrz 15 • BLOG, Karriere • 3203 Views • Keine Kommentare zu KARRIERE @ IKEA

Drum prüfe, wer sich beruflich bindet! Getreu diesem Motto zeigen wir euch in dieser Rubrik, wie Unternehmen um „female high potentials“ buhlen, was sie euch bieten und wie eure Karriere dort aussehen könnte.


Ihr erstes Ikea-Möbelstück war ein weisses Billy Regal. Die gebürtige Schwedin Malin Jaunin-Nydahl kam im Alter von 29 Jahren in die Schweiz und startete ihre „Karriere“ als Mitarbeiterin der Auffülltruppe, was gleichbedeutend ist mit einem Arbeitsbeginn um vier Uhr morgens. Da Weiterentwicklung jedoch bei Ikea grossgeschrieben wird, avancierte die junge Unihockeyspielerin schnell zur Teamleiterin Verkauf, Sales Manager, Store Manager – und siehe da – seit zwei Jahren ist Malin Country HR-Manager der Schweiz und bezeichnet sich selbst als „Lehrbeispiel“ dafür, wie Karrieren bei Ikea funktionieren können. Wir haben die sympathische Managerin im Ikea Headquarter in Spreitenbach getroffen.

Girls Drive: Was fasziniert Dich an Ikea, dass Du seit 14 Jahren immer noch hier arbeitest?
Malin Jaunin-Nydahl: Mir ist unsere Philosophie sehr wichtig. Es geht um Life@home, dass das Zuhause der wichtigste Ort der Welt ist, den man sehr schön einrichten kann – auch kostengünstig. Menschen einen besseren Alltag zu schaffen, das ist Teil von etwas Grösserem zu sein. Zudem sind wir kein börsennotiertes Unternehmen und können deshalb das verdiente Geld direkt wieder ins Business investieren. Wir investieren viel Geld in noch bessere Produkte, tiefere Preise, in Nachhaltigkeit und soziale Projekte auf der ganzen Welt. Das Ganze gibt mir und unseren Mitarbeitenden sehr viel Motivation, gutes Business zu machen. Ein anderer zentraler Bereich ist für mich unsere Unternehmenskultur mit all den IKEA-Werten, die uns so einzigartig machen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag als HR-Managerin bei Ikea aus?
Es gibt keinen typischen Arbeitsalltag. Typisch ist nur ein operatives Jetzt und eine strategische Zukunft. Ich muss den Überblick behalten, aber trotzdem die Details nicht ausser Acht lassen. Ich bin für die Human Resources zuständig, welche eine wichtige Rolle bei der Erreichung unserer Ziele spielen. Unser Leitgedanke ist „business through people“. Das Business ist, dass wir Produkte an Menschen verkaufen. Und es sind Menschen, die Produkte an Menschen verkaufen. Es geht also um die Businessentwicklung durch die Leute und darum, aus ihnen das Beste rauszuholen. Wir haben zusammen ein Ziel und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Everyone and everywhere.

Was sind die grössten Herausforderungen in Deinem Job als HR-Managerin?
Die grösste Herausforderung liegt in der Arbeit mit und durch Menschen. Ich stelle sicher, dass unsere Manager ihren Teil dazu beitragen, ihre Leute zu entwickeln, ihnen Verantwortung zu übertragen und ihnen ehrliche Feedbacks geben.

Wie gestaltest Du Deine Work – Life-Balance? Wie viele Stunden arbeitest Du pro Tag?
Meine Work-Life-Balance sieht gut aus. Natürlich gibt es ein Auf und Ab. Aber ich versuche, über das Jahr durchschnittlich auf eine 40-Stunden-Woche zu kommen. Es gibt Unternehmen mit der Kultur, je mehr du arbeitest, desto besser bist du. So ist Ikea nicht. Wir arbeiten effizient und bauen auf den Stärken unserer Leute auf. Ich muss nicht alles wissen, ich vertraue meinen Leuten und supporte sie in ihrer Verantwortung.

Ikea fördert begabte Mitarbeiter also auch , wenn man nicht mit Bestnoten von einer Top Universität aufwarten kann?
Genau. Wenn du bei Ikea ein gutes Potenzial mitbringst, hast du viele Möglichkeiten, gewisse Positionen zu durchlaufen, was du in der „normalen“ Arbeitswelt nicht machen könntest, weil du vielleicht nicht studiert hast. Bei Ikea reden wir über drei Kompetenzen: Motivation, Wissen und Fähigkeiten. Letzteres meint auch, Leute inspirieren und Veränderungen vorantreiben zu können. Es geht nicht nur darum, was die Leute studiert haben, sondern darum, was sie aus ihrem Leben gelernt haben.

Sind Frauen in Führungspositionen gleichberechtigt vertreten?
Absolut. Die Frauen bekommen genau die gleichen Aufstiegschancen. Wir sind 50:50 in der Geschäftsleitung von IKEA Schweiz. Das ist anscheinend sehr aussergewöhnlich. Für mich war das in Schweden immer selbstverständlich. Zudem sind ein grosser Teil unserer Kunden Frauen. Warum sollten wir nicht auch im Management repräsentativ sein?

Wie schafft ihr es, auf dieses 50:50 -Verhältnis in Führungspositionen zu kommen?
Komischerweise fragen mich immer wieder Leute, ob wir ein Quotensystem haben. Dem ist nicht so. Vielleicht ist die Antwort zu einfach, aber wir versuchen immer, die beste Person für die aktuelle Position zu suchen. Vielleicht ist es die Realität da draussen, der Rest verpasst einfach die Chancen. Unser CEO und ihre Stellvertreterin sind Frauen, ebenso unsere Logistikchefin. Frauen in Führungspositionen diskutiert hier keiner. Das ist das beste Zeichen für eine Firma, wenn es gar kein Thema ist.

Ihr achtet also auf eine Gleichverteilung von Frauen und Männern?
Es balanciert sich wirklich von selbst, ohne dass wir ein Frauenförderungsprogramm haben. Wenn wir Positionen besetzen, schauen wir nicht zuerst, ob die Bewerbung männlich oder weiblich ist. Wir reden immer von „potentials“, davon gibt es genauso viele Männer wie Frauen. Denn wir glauben an Menschen und ihr Potenzial. Wir tun einfach alles für alle Leute, um Karriere zu fördern. Das ist die schwedische Kultur.

Beendet eine Schwangerschaft die Karriere bei Ikea?
Nein, tut sie nicht. Wir haben schon mehrere Frauen eingestellt, die schwanger waren! Wir sehen Schwangerschaft nicht als Krankheit. Sie ist ein schöner Teil vom Leben, etwas zum Gratulieren. Wir planen das mit ein und suchen eine Lösung für die Abwesenheit und die Rückkehr. Zum Beispiel ist in meinem Team die Verantwortliche für Employer Branding and Recruitment gerade aus dem Mutterschaftsurlaub zurückgekommen und arbeitet jetzt 60 %, das klappt bestens.

Wie löst man solche Mutter – schaftsauszeiten , wer übernimmt die Arbeit?
Es geht immer darum, Möglichkeiten anstatt Hindernisse zu suchen. Wir denken „out of the box“ und sind auch risikobereit. Wir finden immer eine Lösung. Beim oben genannten Fall habe ich jemand mit viel Potenzial aus unseren Häusern für ein Jahr ausgeliehen mit Aussicht auf eine Chance zur Weiterentwicklung. Jetzt ist es so, dass sich nach der Rückkehr der Dame aus dem Mutterschaftsurlaub für die Vertretung eine neue Stelle hier ergeben hat. Nun habe ich beide (lacht).

Wie sieht es mit TeilzeitArbeit, Home Office , job sharing und Kinderkrippen bei Ikea aus?
Teilzeit gibt es häufig bei Ikea. Jedoch nutzen dies zurzeit noch wenige Männer, daran arbeiten wir! Auch Home Office existiert. Job Sharing entwickelt sich gerade. Eine Kinderkrippe haben wir leider noch nicht, bieten den Mitarbeitenden jedoch einen Service an, der ihnen hilft, eine externe Kinderbetreuung zu organisieren.

Frauen bekommen zudem vier Monate Mutterschaftsurlaub bei 100 % Bezahlung, Männer geniessen zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Frauen verdienen in der Schweiz um 18 Prozent weniger als Männer. Man hört , dass bei Ikea gleiche Arbeit gleich bezahlt wird.
Bei Ikea ist die Lohngerechtigkeit absolut da. Es gibt keinen Grund mehr zu verdienen, nur weil man weiblich oder männlich ist. Wir haben Lohnbänder für alle Positionen und Stufen. Denen folgen wir, egal ob Frau oder Mann. Wir überprüfen aber trotzdem immer wieder, wo wir in der Lohngleichheit stehen.

Wie hält Ikea gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen?
Bei Ikea kann man wirklich seinen Traumjob finden. Man kann irgendwo einsteigen und wir bieten die Chance zur Weiterentwicklung. Auch hat man früh die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Ein aussergewöhnlicher Benefit ist die durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 40 Stunden die Woche, welche für alle Positionen gilt. Weiter hat man bei Ikea zwischen 28 und 37 Tage Ferien. Kommt natürlich darauf an, wie lange jemand schon dabei ist. Und IKEA bezahlt zwei Drittel von der Pensionskasse, wir haben jeden Tag für CHF 4.50 Mittagessen und wir unterstützen Leute, die mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit kommen.

Weshalb ist Ikea in all diesen Bereichen so fortschrittlich?
Wir sind nach wie vor bescheiden, auch wir können uns noch in vielen Sachen verbessern. Aber es ist eine Kulturfrage. Und für mich persönlich hat es auch etwas mit Respekt zu tun und dass man Menschen als Menschen anschaut. Das ist der Erfolgsfaktor. Wir glauben an Menschen, egal welches Geschlecht oder Nationalität. Manchmal höre ich raus, dass von einer Frau nicht so viel erwartet werden kann. Aber dem ist nicht so, eine Frau muss genauso viel leisten wie ein Mann.

Und warum meinst du , kriegen das andere Unternehmen nicht so gut hin?
Man muss es wirklich ernst meinen und nicht einfach nur schönreden. Also ist es eine Willenssache, die vom Topmangement getragen werden muss.

Was sind die Anforderungen an Studentinnen , die sich für ein Praktikum oder einen Job bei Ikea bewerben? Was für einen „Typ“ Studentin suchen Sie?
Schulisches Knowhow ist sicher wichtig, doch nicht das A und O. Wir suchen Menschen mit viel Motivation und Willensstärke. Wir reden immer von „value based recruitment“. Man muss nicht alle unsere Werte zu 100 % erfüllen können. Aber man muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. In diesem Zusammenhang schaue ich, ob die Leute schon während ihrer Ausbildung gearbeitet haben, Freiwilligenarbeit geleistet haben oder Teil eines Projektes waren. Das sind Sachen, die eine Persönlichkeit auszeichnen. Ein anderer Wert ist der ständige Wille zur Verbesserung, Veränderung. Wenn man will, kann man hier generell sehr viel erreichen. Wenn ich Leute rekrutiere, ist mir wichtig, dass sie nicht zu fest nur auf eine gewisse Position fokussiert sind und so schnell wie möglich viel verdienen möchten. Es ist eine Herausforderung für uns, Leute mit Geduld zu finden. Die bereit sind, irgendwo anzufangen und dann Schritt für Schritt zu wachsen. Weiter suchen wir Leute mit einem gesunden Selbstvertrauen und mit einer gewissen Einfachheit. Dass eine Person nicht zu kompliziert ist und sich nicht zu wichtig nimmt, sondern eher gelassen ist. Das heisst aber nicht, dass man nicht liefern muss. Wir arbeiten hart. Aber das Schöne ist, jeder trägt etwas bei. Jeder ist wichtig.

Rekrutiert ihr denn gemäss dieser Philosophie überhaupt Hochschulabsolventen?
In Zukunft möchten wir vermehrt Praktikumsstellen anbieten, das haben wir bisher nicht so gemacht. So schaffen wir den Studierenden die Möglichkeit, einen ersten Eindruck zu bekommen und sich Arbeitserfahrungen anzueignen.

Welche Tipps möchtest du jungen Studentinnen auf ihren Karriereweg mitgeben?
Mein erster Tipp: Sei du selbst, denn so bist du gut. Zweiter Tipp: Sei ehrlich mit dir selbst. Es nutzt nichts, sich in etwas reinzubeissen, was nicht das Richtige ist. Es ist wichtig, sich selbst kennenzulernen und auf seine Stärken aufzubauen. Und versteift euch nicht auf eine Position, seid offen. Es sollte nicht darum gehen, schnell den Berg hinaufzuspringen. Langfristig ist es besser, sich Schritt für Schritt an die Spitze hinaufzuarbeiten. In dem Sinne: Habt nicht nur das nächste Ziel vor Augen, sondern auch das Ziel nach dem Ziel.

*Weiterführende Informationen: www.ikea.ch

Text: Linda Roniger
Mitarbeit: Carline Perren

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