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Sarah Guenther 05

MIT AUTHENTIZITÄT IM BEWERBUNGSGESPRÄCH ÜBERZEUGEN

Mai 19 • ARBEITEN, ERFAHRUNG, First Job, Karriere • 3482 Views • Keine Kommentare zu MIT AUTHENTIZITÄT IM BEWERBUNGSGESPRÄCH ÜBERZEUGEN

Als Senior Assistant Human Resources bei Deloitte schaut sich Sarah Günther, 28, wöchentlich bis zu 100 CVs an und verrät euch hier die besten Tipps für euer erstes Vorstellungsgespräch.

Wie lange arbeitest Du schon bei Deloitte und was genau ist deine Aufgabe?

Seit Februar 2016 bin ich bei Deloitte im Recruiting tätig. Unser Team unterstützt die verschiedenen Service Lines dabei, die passenden KandidatInnen für die zu besetzenden Positionen zu finden. Unsere Tätigkeit reicht von Stellenauschreibungen über Interviews bis hin zu den finalen Anstellungen. Bereits vor meiner Tätigkeit bei Deloitte war ich bei einer grossen Schweizer Bank im Recruiting tätig.

 

Kannst du dich noch an dein erstes Bewerbungsgespräch erinnern?

Ja, das war zu Zeiten der Uni für ein Praktikum. Damals war ich super nervös und wollte alles richtigmachen, da ich diesen Job unbedingt haben wollte. Entsprechend hat es sich dann ergeben, dass ich während dem Interview – teil bewusst, teil unbewusst – Floskeln eingebaut hatte, von denen ich überzeugt war, dass diese der potentielle Arbeitgeber hören wollte. Klassischer Anfängerfehler. Den Praktikumsplatz hatte ich dann letztlich bekommen und dies wurde später sogar noch verlängert. Wenn ich aber daran zurückdenke, würde ich heute ein, zwei Punkte anders machen. Bei meinen weiteren Bewerbungsgesprächen habe ich den Fokus auf meine eigene Meinung und meine bisherigen Erfahrungen gesetzt und nichts mehr bewusst einfliessen lassen, was ein potentieller Arbeitgeber hören möchte. Denn das fällt auf – die Interviewteilnehmer sind entsprechend geschult.

 

Wie viele Bewerbungsgespräche hattest Du in Deiner Karriere bis jetzt und welches Fazit ziehst du daraus?

In meinem bisherigen Werdegang hatte ich drei Bewerbungsgespräche und anscheinend habe ich etwas richtiggemacht, denn ich habe die Jobs immer bekommen. (lacht)

 

In deinen Jobs hast du schon mehr als 500 Bewerbungsgespräche geführt. Was machen die meisten Bewerber falsch?

Nicht vorbereitet zu sein. Wenn man sich gar nicht über das Unternehmen, den Bereich und den jeweiligen Job informiert, für den man sich beworben hat, kann es durchaus ein eher schwieriges und zähes Gespräch geben. Wir erwarten nicht, dass man alles darüber weiss, aber nicht vorbereitet zu sein, ist nicht von Vorteil. Das zeigt u.a., dass man sich für wichtige Meeting nicht entsprechend vorbereitet, ggf. auch kein wirkliches Interesse vorhanden ist und dies kann sich natürlich in den Berufsalltag hineinziehen. Gerade bei den heutigen Möglichkeiten im Informationszeitalter ist es ein leichtes an die jeweiligen Informationen zu gelangen. Darüber hinaus sollte man über eine gesunde Selbstwahrnehmung verfügen und eine positive Grundhaltung zum Gespräch mitbringen.

 

Was ist deiner Meinung nach das grösste No-Go beim ersten Vorstellungsgespräch?

Es kommt immer wieder vor, dass Bewerber eine falsche Selbstwahrnehmung haben und dadurch schnell arrogant oder überheblich wirken können. Hier ist eine gesunde Portion Selbstvertrauen mit dem richtigen Mass an Selbsteinschätzung der Schlüssel. Schwierig wird es auch, wenn BewerberInnen über den aktuellen / ehemaligen Arbeitgeber oder die KollegInnen schlecht sprechen. Davon kann ich nur abraten, da dies eine Frage der Loyalität ist. Wir stellen uns dann unweigerlich die Frage, ob die Person auch so über uns reden wird, wenn sie uns verlässt. Es gibt sicherlich in jedem Job Dinge, die einem weniger gefallen, allerdings kann man diese Dinge auch adäquat im Gespräch erwähnen.

 

Worauf achtet ihr besonders im Bewerbungsgespräch?

Wie bereits erwähnt, sollten die BewerberInnen interessiert und motiviert sein, sowie sich entsprechend vorbereitet haben. Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, dass nicht zu viele Standardfloskeln verwendet werden, denn wir wollen natürlich den Kandidaten kennenlernen und keine auswendig gelernten „Lehrbuchantworten“. Spätestens im Arbeitsalltag merkt man, wie eine Person wirklich ist – haufenweise geschönte Antworten aus dem Vorstellungsgespräch sind daher suboptimal.

Viele Bewerber sind übrigens der Auffassung, dass es im Vorstellungsgespräch einzig darum geht, sich selbst in einem möglichst positiven Licht darzustellen, damit der potentielle künftige Arbeitgeber interessiert ist und die jeweilige Person anstellen möchte. Sie vergessen aber dabei, dass sie dasselbe Recht haben herauszufinden, ob sie dort überhaupt arbeiten möchten, ob der Job für sie in Frage kommt. Daher ist Vorbereitung essentiell und die Kandidaten sollten sich vorab überlegen, welche Infos für sie wichtig sind. Am Ende des Gesprächs sollte man als Bewerber wissen, ob man sich vorstellen kann, für das Unternehmen zu arbeiten. Schliesslich soll man sich im neuen Job auch wohl fühlen.

 

Neben einem interessanten Aufgabenbereich finde ich es wichtig, dass der Zusammenhalt im Team gut funktioniert. Irgendwann einmal sass ich in einem Vorstellungsgespräch und fragte mein Gegenüber, wie denn das Abteilungsklima sei. Darauf konnte mir das Unternehmen keine klare Antwort geben.

Das sagt bereits viel über die Firma aus. Heutzutage verbringt man so viel Zeit im Büro, da ist die Sozialkomponente sowie das Arbeitsklima durchaus nicht zu unterschätzen. Wir bei Deloitte bieten den Kandidaten üblicherweise immer die Möglichkeit eines Lunches oder einer Kaffeepause mit möglichen künftigen Kollegen. Das wird eher informell gehalten – weder jemand aus dem Human Resources Bereich noch der zukünftige Vorgesetzte sind dabei. Uns geht es hierbei darum, ob sowohl für uns als auch für den Kandidaten die Vorstellungen übereinstimmen. Sollte dies nicht automatisch seitens Arbeitgeber angeboten werden, rate ich den Kandidaten gerne auch direkt danach zu fragen.

 

Du schaust dir pro Woche ca. 100 Bewerbungsschreiben sowie CVs an, worauf achtest du besonders?

Beim ersten Blick achte ich darauf, dass das Layout stimmig ist. Zu vermeiden sind unterschiedliche Schriftarten oder Farben – sehr schnell kann es dadurch nach copy+paste aussehen. Dann geht es weiter mit den klassischen Dingen: Durchsicht des Werdegangs, Bildungsweg, relevante Skills. Von Vorteil ist sicherlich, wenn man dem Recruiter die Arbeit so leicht wie möglich macht, da wir rund 30 Sekunden pro CV zur Verfügung haben. Wer also schon Verfügbarkeit, Arbeitspensum und Salärvorstellung direkt mitangibt macht den Recruitern und sich selbst das Leben einfacher. Das Wichtigste sollte daher auf einen Blick ersichtlich und ein roter Faden vorhanden sein. Lücken im Lebenslauf sind nicht schlimm, aber sie sollten im CV bereits erklärt werden. Bei ausländischen Staatsbürgern ist zu wünschen, dass die jeweilige Person ihre Arbeitsbewilligung mit angibt.

 

Was würdest Du jungen Frauen ausserdem raten, die sich um einen Job bewerben?

Interesse und Motivation ist generell das A und O im Bewerbungsprozess.

Immer wieder erhalten wir Motivationsschreiben, bei denen man sofort sieht, dass diese an zig Unternehmen verschickt wurden. Das sollte man in jedem Fall vermeiden. Macht euch die Mühe und erstellt ein individuelles Anschreiben unter jeweiligem Bezug auf das Stelleninserat und warum ihr gut zu der Stelle passt. Gepaart mit einem guten und übersichtlichen Lebenslauf stehen die Chancen auf einen Karriereeinstieg gut!

 

Text: Carmen Platonina

Foto: Romano Zala, Deloitte AG

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