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SMALL TALK

Apr 23 • BLOG • 3462 Views • Keine Kommentare zu SMALL TALK

Gekonnter Small Talk bringt Dich in Sachen Charisma ein großes Stück weiter – Du erinnerst Dich sicher, dass bei Riggios Charisma-Quotient auch das verbale Ausdrucksvermögen eine Rolle spielt.

Wenn wir jemanden kennenlernen, „scannen“ wir ihn oder sie unbewusst auf Indizien für Gemeinsamkeiten. Es fällt uns leichter, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die uns ähnlich sind, als mit solchen, die wir als sehr anders empfinden. Ganz grundsätzlich tust Du Dich mit neuen Menschen leichter, wenn Du eine gewisse Sorgfalt auf Deinen eigenen Auftritt verwendest. So sollte beispielsweise Deine Kleidung gleichermaßen zu Dir, wie zur jeweiligen Situation passen. Vergiss dabei die Schuhe nicht. Sie sind zwar ganz unten und damit dem direkten Blick aus der Nähe entzogen; dennoch wird man wahrnehmen, mit welchem Schuhwerk Du unterwegs bist. Gerade Frauen begehen immer wieder den Fehler, perfekt gekleidet daherzukommen, während die Absätze ihrer Schuhe beschädigt oder abgelaufen sind. So etwas kann schlimmstenfalls dazu führen, dass Dein Gegenüber seinen/ihren positiven ersten Eindruck revidiert. Sandalen oder allzu weit ausgeschnittene Pumps können bei einem geschäftlichen Termin unprofessionell wirken, ebenso wie ein zu starkes Make-up. Dein Gesicht – und dabei insbesondere die Augenregion und die Stirn – sollte frei sein; ansonsten gewinnt Dein Gegenüber möglicherweise den Eindruck, dass Du nicht mit offenem Visier unterwegs bist und etwas zu verbergen hast.

 

Wie kommt man denn nun aber ins Gespräch? Eine gewisse Neugier und Offenheit in Bezug auf andere Menschen kann dabei nicht schaden. Ich habe vor einiger Zeit eine Freundin in Spanien besucht, die mich zu einem Kaffeekränzchen mitnahm. Außer meiner Freundin kannte ich dort niemanden. Gesprochen wurde Englisch, Deutsch und Spanisch, und alles in allem waren rund 20 Leute da, die alle durcheinander redeten. Ich beschloss, mich zunächst einmal an diejenigen zu halten, die hörbar keine Spanier waren, sondern als Auswanderer ins Land gekommen waren. Ihre Geschichten interessierten mich, und ich fragte sie danach. Fast jeder Mensch freut sich, wenn ein anderer sich für ihn interessiert, und so kam ich rasch mit mehreren Personen ins Gespräch. Wir haben uns stundenlang unterhalten, ich habe nette und interessante Menschen kennengelernt, und zum guten Schluss konnte ich sogar feststellen, dass ich mit dem einen oder anderen gemeinsame Bekannte oder Kunden hatte. Es war ein wunderbarer Nachmittag.

Natürlich gibt es Anlässe, bei denen Fragen nach der persönlichen Geschichte zumindest anfänglich als allzu zudringlich empfunden würden. Fragen danach, was jemand beruflich macht, welche anderen Gäste er kennt, in welcher Beziehung er zum Gastgeber steht, sind aber als Gesprächseröffner allemal erlaubt. Eine Unterhaltung über das Essen, das es gibt, oder die Musik, die läuft, bietet gute Möglichkeiten, die Präferenzen des Gegenübers zu erkunden und sich auf die Suche nach Gemeinsamkeiten zu machen.

 

Zusammengefasst ist Small Talk …

… ein Türöffner für neue, ungewohnte und ungewöhnliche Situationen,
… eine wunderbare Möglichkeit, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen und zu sehen, ob
man mit ihnen in eine persönlichere Beziehung treten möchte,
… eine gute Gelegenheit zum „Netzwerken“,
… eine ebenso gute Möglichkeit, schwierige Situationen aufzulockern und Spannungen abzubauen,
… bestens geeignet, um sich selbst in ein positives Licht zu rücken,
… und nicht zuletzt: ein bedeutsamer Karrierefaktor! Im Bewerbungsgespräch wird unter mehreren gleich kompetenten Bewerbern erfahrungsgemäß derjenige ausgewählt, der den Small Talk am besten beherrscht.

 

80 Prozent unserer täglichen Kommunikation finden in Form von Small Talk statt – ein zwingendes Argument gegen all diejenigen, die ihn gern als „banal“ und „oberflächlich“ brandmarken. Allerdings sind dennoch viele Menschen unsicher, wann Small Talk geradezu eine gesellschaftliche Verpflichtung ist und wann ein Fauxpas.
Auf Partys, bei Empfängen, Kongressen, Besprechungen,  Mittags- und Kaffeepausen, auf Bällen, Netzwerkveranstaltungen usw. bist  Du quasi zum Small Talk verpflichtet. Wenn Du bei diesen Anlässen schweigst wie ein Fisch, fallst Du eher negativ auf oder wirst schlichtweg nicht wahrgenommen.

Ab bestimmten Hierarchieebenen ist Small Talk entscheidend, um vorwärtszukommen, aber auch bei nicht-beruflichen Anlässen ist ein „Smalltalker“ gerne gesehen und wird auch immer wieder gerne eingeladen.

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Small Talk sich verbietet: Nämlich immer dann, wenn besonderes Einfühlungsvermögen gefragt ist. Beispielsweise bei jemandem, der in Trauer ist, in schwierigen emotionalen Momenten, bei Jobverlust, bei Trennungen, Misserfolgen und Ähnlichem. Wenn Du  in diesen Momenten, in denen Einfühlungsvermögen und gesunder Menschenverstand gefragt ist, über das Wetter oder die aktuelle Straßenlage philosophierst, ist das unangebracht. Ein weiteres No Go für Small Talk sind Situationen, in denen von Dir konkrete Informationen erwartet werden. Deine Gesprächspartner werden sich von Dir auf die Folter gespannt fühlen, wenn Du dann Small Talk machst.

Zuerst einmal musst Du Deine Redehemmung überwinden. Immerhin droht kein Weltuntergang: Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Du nicht die richtigen Worte findest oder hängenbleibst. Diesbezügliche Ängste lassen sich mindern dadurch, dass Du Dir bereits im Vorfeld interessante Gesprächsthemen und mögliche Fragen überlegen kannst, oder Dir beim Anlass einen Menschen aussuchst, an dem Du wirklich großes Interesse hast.

 

Wie kannst Du Dich auf Small Talk-Situationen vorbereiten? Stelle Dir folgende Fragen:

– Was könnten gemeinsame Interessen sein, die mich mit meinem heutigen Gesprächspartner verbinden?
– Wenn Du den betreffenden Menschen schon kennst: Was mag Dein Gegenüber? Was sind seine/ihre Hobbys? Was liest, hört, sieht, isst er/sie gerne?
– Wie geht es dem anderen Menschen, was beschäftigt ihn? Welche Emotionen spiegeln sich in seinem/ihrem Gesicht wider?
– Was weisst Du über die Lokalität, den Veranstalter, den Anlass?

Nachdem Du darüber kurz nachgedacht hast, formulierst Du eine unverbindliche Frage oder eine höfliche Bemerkung – und schwupps, bist Du im Gespräch!

Ich wünsche Dir viel Freude beim Umsetzen und beim nächsten gelungenen Smalltalk! Mehr zu mir findest Du unter www.tatjanastrobel.ch

Text: Tatjana Strobel
Foto: Silvia Michel

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