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VOLLGAS AUF DER ACHTERBAHN – PRAKTIKUM IN EINER WERBEAGENTUR

Feb 10 • ARBEITEN, BLOG, ERFAHRUNG, Karriere • 1846 Views • Keine Kommentare zu VOLLGAS AUF DER ACHTERBAHN – PRAKTIKUM IN EINER WERBEAGENTUR

Überdimensionale Plakate mit schönen Menschen, aufwendig produzierte Werbespots, Anzeigen mit lustigen Slogans – der Werbewelt haftet immer dieser gewisse Glanz an. Doch wer einen Blick hinter die Kulissen wirft, merkt schnell, dass die Realität anders ist: zwar bunt und spannend aber zugleich knallhart.

Das 8-monatige Praktikum, das ich vergangenes Jahr in einer international tätigen Werbeagentur machen durfte, war eine super Erfahrung: aufregend, lehrreich und herausfordernd. Ich erlebte eine Achterbahn der Gefühle, auf der durchgehend Vollgas geben angesagt war. Und das hat sich definitiv gelohnt.

Werbeagenturen bestehen grundsätzlich aus drei Bereichen: der Strategie, der Beratung und der Kreation. Strategen machen die grosse Denkarbeit; sie erarbeiten, wo sich ein Unternehmen mit seiner Werbung möglichst clever positionieren kann. Berater sind in stetem Kundenkontakt und schlagen die Brücke zur Kreation. Sie begleiten das Projekt von A bis Z, d.h. erhalten das Briefing vom Kunden, geben dieses der Kreation weiter, erstellen ein Timing und organisieren Übersetzung, Lithographie, Lektorat und Druck. Die Kreativen machen nach dem Briefing, das sie von der Beratung erhalten, Vorschläge für die gestalterische Umsetzung des Projekts. Zur Kreation gehören Grafiker, Texter und im weitesten Sinne auch Reinzeichner.

Ich war Praktikantin in der Beratungsabteilung und konnte auf verschiedenen Kunden arbeiten; die Mehrheit der Zeit war ich für eine internationale Firma aus der Automobilbranche tätig. Ich hatte das Glück, dass ich einer Werbeagentur arbeiten durfte, die ihre PraktikantInnen voll einsetzt. So lernte ich den Herstellungsablauf der praktisch ganzen Bandbreite an Werbeformaten kennen. Zu Beginn realisierte ich kleinere Aufgaben wie Anzeigen und Flyer. Schon bald kriegte ich grössere Projekte zugeteilt wie Broschüren und Plakate. Nach zwei Monaten arbeitete ich bereits bei Werbekampagnen mit. Und nach vier Monaten trug ich bereits die Verantwortung für ganze Werbekampagnen – von Plakaten und Anzeigen über Flyer und Prospekte bis hin zu Event-Massnahmen wie Promotionen und Give-Aways. Zusätzlich erhielt ich auch Einblicke in die Produktion von TV- und Radio-Spots: als Kür durfte ich sogar beim Dreh von zwei Spots und bei einer Aufnahme im Tonstudio mit dabei sein.

Ihr seht, die 8 Monate in der Werbeagentur waren äusserst spannend und lehrreich. Am meisten beeindruckte mich, wie viel Arbeit und wie viele Menschen – Strategen, Berater, Grafiker, Texter, Reinzeichner, Lithographen, Übersetzer, Lektoren – hinter dem kleinsten Werbeobjekt stecken. Etwas, was für den Laien unsichtbar und undenkbar ist. Das Werbebusiness ist aber auch eine Herausforderung: anstrengend und hart. Die meisten Werbeprojekte werden unter grösstem Zeitdruck abgewickelt. Dies hängt einerseits mit der Schnellebigkeit der Branche zusammen; viele Aufträge kommen sehr kurzfristig herein. Andererseits sind Werbeagenturen gerade in Peak-Momenten oftmals unterbesetzt. Dies brachte für mich den Vorteil, dass mir sehr schnell die Leitung für sehr viele Projekte übertragen wurde, wodurch ich ausserordentlich profitieren konnte; gleichzeitig stiess ich vor allem in den ersten Monaten immer wieder an meine Grenzen. Ich fühlte mich überfordert – mit dem komplizierten Werbejargon, mit den vielen Aufgaben, mit der grossen Verantwortung, mit dem enormen Druck. Durchhaltewille und Vollgas geben waren 200 % gefragt. Doch rückblickend möchte ich gerade diesen Teil der Erfahrung nicht missen. Denn dank diesem Druck lernte ich mich selbst um einiges besser kennen und konnte mich so auch persönlich weiterentwickeln. Und natürlich würde ich nie wieder die Behauptung wagen, dass alles Gold ist, was glänzt – weder in der Werbebranche noch sonstwo.

Meine 5 Tipps für alle, die ein Praktikum in der Werbebranche machen möchten, lauten:

1. Lasst euch nicht blenden: Werbung ist zwar ein buntes und vielseitiges, aber zugleich auch ein hartes Business.

2. Vertraut euren Fähigkeiten und gebt nicht auf. Auch wenn ihr am Anfang überfordert seid und das Gefühl habt, dass ihr das alles nie meistern werdet – wir können viel mehr, als wir meinen!

3. An die eigenen Grenzen kommen, bedeutet auch immer, sich selbst besser kennenzulernen. Dies ist eine sehr wertvolle Erfahrung, die für das ganze Leben hilfreich ist. Denn man findet heraus, wie man in extremen Stresssituationen reagiert und wie man persönlich damit umgehen kann, um dennoch so weit als möglich im Lot zu bleiben.

4. Redet mit eurem Betreuer/eurer Betreuerin. Er/Sie ist euer Mentor/eure Mentorin und kann euch nebst dem Fachwissen enorm viel über die Arbeitswelt und den Umgang mit Druck beibringen.

5. Und zu guter Letzt: Auch wenn es ein hartes Business ist – es ist und bleibt trotz allem Werbung. Nehmt den ganzen Zirkus mit einer Prise Humor.

Text: María Colón
Bild: María Colón

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