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Wieso „Nemo“ eigentlich ein Mädchen ist…

Wieso „Nemo“ eigentlich ein Mädchen ist…

Jan 25 • BLOG, Karriere, Studium • 2216 Views • Keine Kommentare zu Wieso „Nemo“ eigentlich ein Mädchen ist…

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Mädchen eigentlich wirklich lieber Krankenschwestern als Ingenieurinnen werden wollen? Oder ob die Schule – so, wie es uns gewisse Stimmen glauben lassen wollen – tatsächlich Knaben benachteiligt? Und woher kommt es, dass junge Väter verstärkt Interesse zeigen bei der Betreuung ihrer Kinder?

Mit diesen und unzähligen weiteren Fragen beschäftigen sich die Gender Studies, zu Deutsch Geschlechterforschung. Wie der Name der jungen Wissenschaftsdisziplin bereits verrät, steht die Bedeutung von Geschlecht, das Verhältnis der Geschlechter zueinander und Fragen rund um Geschlechtsidentitäten im Zentrum ihres Interesses. Angefangen hatte alles in den 1970er-Jahren. Was heute unter dem Namen Geschlechterforschung bekannt ist, nannte sich damals noch Frauenforschung. Ziel war es, die Lebensrealitäten und Errungenschaften der bisher wenig berücksichtigten Frauen sichtbar zu machen. So wies die Germanistik darauf hin, dass nebst Schiller und Goethe auch Frauen schöne Bücher schrieben. Oder die Philosophie zeigte, dass ausser den Nietzsches, Sartres und Platons mitunter weibliche Denkerinnen schlaue Überlegungen anstellten. In den 80er-Jahren verschob sich der Fokus der Untersuchungen auf die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Breiter anerkannt war in der Zwischenzeit auch, dass Geschlecht nicht naturgegeben, sondern eine soziale Kategorie ist. Was unter einer Frau oder einem Mann verstanden wird – das hatte die Forschung nämlich gezeigt – variiert je nach Zeit und Kultur. Die vermeintlich natürlichen Eigenschaften der Geschlechter sind also Produkt sozialer Zuschreibungen.

 

Während die Geschlechterforschung der Bedeutung von Geschlecht nachgeht, ist ihr aber auch die Relevanz weiterer sozialer Ungleichheitskategorien wie Schicht, sexuelle Orientierung, Herkunft oder Alter bewusst. Vor diesem Hintergrund eröffnet sich diesem Wissenschaftsgebiet ein ausserordentlich breites Untersuchungsfeld. Genauso vielfältig präsentieren sich denn auch aktuelle Ergebnisse der Geschlechterforschung.

 

Diese reichen von Einsichten über Männlichkeitskonstruktionen in zeitgenössischen Romanen über Vorschläge zur Verwirklichung von Menschenrechten für Transmenschen bis zur zoologischen Entdeckung von Geschlechterwechsel bei Fischarten – ja, der herzige Nemo wird später mal ein Weibchen werden! Wer einen Studiengang für Gender Studies besucht, erfährt aber nicht nur viel, sondern erwirbt zugleich grundlegende Qualifikationen für unterschiedliche Berufsfelder. So sind die im Studium vermittelten Kompetenzen für den Bereich des Gleichstellungsmanagements genauso hilfreich wie für die Arbeit in politischen Institutionen, in der Organisationsentwicklung oder im Personalwesen.

 

Was die Gender Studies aber so speziell macht, ist das Denken über Selbstverständlichkeiten hinaus: Gesellschaftliche Normen und Werte, scheinbar unauflösliche Kategorien wie Geschlecht und letztlich sich selber immer wieder kritisch in Frage zu stellen, ist ein Prozess, der spannend bleibt und durch den sich der Blick auf die Welt verändert!

 

Eine Kolumne von Fabienne Amlinger, Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung IZFG der Universität Bern
Weiterführende Informationen: www.izfg.unibe.ch

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