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Kazu

Young Businesswomen – Kit Kat Kazu

Jan 27 • BLOG, Karriere • 4020 Views • Keine Kommentare zu Young Businesswomen – Kit Kat Kazu

„KAZU bedeutet auf Japanisch „Friede“, „Harmonie“ und „Japanisch“ – das ist die Philosophie meiner Kreativität.“

Der Lebensweg von Kazu Huggler wirkt vielseitig und doch scheint er von Beginn an in eine Richtung zu deuten, ein Weg, der von Begegnungen geprägt und durch Gegebenheiten gezeichnet wurde, um am Ende glücklich dort anzukommen, wo sie sich anfangs selbst nie gesehen hätte. Die Mode sollte für Kazu Huggler eigentlich privat bleiben und ihre Leidenschaft nicht zum Beruf werden. „Zudem wollte ich diese Leidenschaft davor schützen, sich dem Druck von aussen, finanzieller oder kreativer Natur auszusetzen.“

 

Aber beginnen wir die Geschichte von vorne: Geboren in Tokio als Tochter einer Japanerin und eines Schweizers genoss Kazu Huggler die traditionell japanische Erziehung, bis sie zwölf Jahre alt war, kam dann in die Schweiz und besuchte das Gymnasium. Nach der Matura folgte sie erneut den Rufen ihres Geburtsortes, um dort nicht Mode, sondern die japanische Kunstgeschichte und Ästhetik an der Keio Universität in Tokio zu studieren. „In Japan geht es weniger darum, was man studiert hat, sondern an welcher Universität. Die Keio Universität war die beste Voraussetzung, um eine Stelle in Japan zu finden. Mein Plan war, nach meinem Studium in Tokyo in einer grösseren japanischen Firma zu arbeiten, im Bereich Kommunikation.“

 

Da sie als Kind und Teenager zwischen Tokyo und Zürich aufgewachsen sei, sah sie es stets als Berufung, eine Funktion zu finden, die diese beiden Länder und Kulturen verbindet. Während ihres Studiums dachte sie allerdings nicht an das Medium Mode, sondern eher in Richtung PR und Marketing. „Somit habe ich nach meinem Studium bei Fabric Frontline in Zürich im Bereich PR und Marketing für den japanischen Markt gearbeitet. Doch nach zwei Jahren wurde mir ganz bewusst, dass ich als Modedesigner arbeiten muss. Ich muss meine Leidenschaft zum Beruf machen, es war ganz klar!“

 

Kazu Huggler war damals bereits 27 Jahre alt, trotzdem habe sie sich entschieden, eine 2. Ausbildung im Bereich Modedesign zu beginnen. „Ich hatte ja bereits autodidaktisch Kleider entworfen und genäht. Zuerst habe ich zwei Jahre Basismode an der Hochschule für Gestaltung in Zürich gelernt, danach ging ich am Londoner St. Martin’s College of Fashion and Design.“ Wenn eine Zweitausbildung in der Mode, dann an einer der besten Schulen, lautete das Credo von Kazu Huggler. Es folgte der Sprung ins kalte Wasser, nach dem Abschluss des Colleges und ihren Abschlussarbeiten mit einhergehenden Auszeichnungen hatte sie die Aufmerksamkeit der Presse und das Interesse der privaten Kundschaft erhalten. „So fing das alles an. Und schon bald musste ich die nächste Kollektion bereitstellen, weil dies von mir erwartet wurde. Aber eigentlich habe ich aus purer Lust und Freude drauflosgearbeitet.“ Wenn ihr bewusst gewesen wäre, dass es um viel mehr geht, als „nur“ saisonal eine tolle Kollektion zu entwerfen und diese in die Produktion zu leiten, hätte sie sich vielleicht besser vorbereitet. Nach einem kurzen Zögern ergänzt sie: „Andererseits bin ich nicht sicher, ob ich mich gewagt hätte, mein eigenes Label aufzubauen, wenn mir all das schwarz auf weiss vor die Nase gehalten worden wäre.“

 

Dass sie nach Abschluss ihres Colleges mit 33 Jahren für die Modebranche als „alt“ galt, um in den Job einzusteigen, kümmerte sie kaum. „Mir war das egal, weil mir klar war, dass ich in den nächsten 30–40 Jahren von meiner Arbeit überzeugt sein muss und vor allem Freude daran haben will.“

 

Das Label KAZU verkörpert heute beide Kulturen: Japan und die Schweiz, genauso wie sie diese in sich trägt. Es ist eine Symbiose japanischer Ästhetik mit Schweizer Qualität. Es ist die Verbindung zweier Welten, die sie seit ihrer Kindheit prägen. Neben der Harmonie und Balance zwischen Ästhetik und Anwendbarkeit, Tradition und deren Umsetzung ins moderne Leben geht es der Designerin um das Erscheinungsbild einer Frau und das subjektive Körpergefühl, wenn sie ein Kleidungsstück tragen. Für sie ist der Kimono das genialste Kleidungsstück überhaupt. „Ich habe in Japan gelernt, wie ein Kimono angezogen wird und trage noch heute gerne den Kimono meiner Grossmutter.“ Hier gibt es keine Grössen, somit kann er ewig getragen werden. Durch das Wickeln um den eigenen Körper könne die Trägerin bestimmen, wie eng er sein soll. Das Kleid diktiert nicht die Trägerin, wie sie auszusehen hat, sondern die Trägerin bestimmt selbst. Aus diesem Grund liebe sie Wickelkleider, die schmeichelhaft um den Körper drapiert werden können, gekonnt lässt sie genau diese sehr weiblichen Elemente in ihre Kollektionen mit einfliessen. Der Ausgangspunkt ihrer Kollektionen kommt immer aus Japan, dessen ästhetische Welt dermassen reich ist, dass ihr die Ideen wohl nie ausgehen werden. Die Textildrucke werden von Kazu Huggler eigens entworfen, dabei sucht sie in Japan antike Kimonostoffe, die sie dann in der Schweiz bedrucken lässt. In ihrem Arbeitsalltag muss sie jedoch auch kämpfen für die Zeit, in der sie sich ihrer Kreativität widmet, damit diese nicht immer zur Seite geschoben wird durch andere Arbeiten, die der Betrieb so mit sich bringt.

 

Das Team von KAZU besteht aus fünf Frauen und obwohl jede ihr Aufgabengebiet zur vollsten Zufriedenheit ausführt, geht die detailverliebte Designerin jeden Schritt noch einmal persönlich durch, um zu sehen, ob man etwas verbessern kann. Kollektionsentwicklung, Qualitätskontrolle, Fotoshooting, Modenschauen, PR, Verkauf und Kundenbetreuung – KAZU ist ein sehr persönliches Label. Gerade deswegen möchte sie zu jeder Einzelheit stehen können. Auf die Frage nach dem Schlüssel zum Erfolg reagiert sie mit einem Lächeln: „Eigentlich fühle ich mich nicht als erfolgreich. Ich habe noch viel unbezahlte Arbeit, die ich anpacken muss.“ Jedoch habe sie auf ihrem Weg stets jeden Auftrag sehr ernst genommen und ihr Bestes gegeben. Das sei alles. Es waren kleine Schritte, die sie gemacht hat. Kazu Huggler hat dabei jeden Stolperstein sehr genau angeschaut und versucht zu verstehen, warum er da ist, und wie sie ihn aus dem Weg räumen kann. Die wichtigsten Entscheidungen, die sie als Unternehmerin getroffen habe, waren die Klarheit über ihre Message, die sie durch die Mode der Welt vermitteln möchte. Ein realistischer Plan, welchen sie von einer Person aus der Finanzbranche beobachten liess und mit ihr zusammen analysierte. Und nicht zuletzt: die Wahl ihrer Mitarbeiterinnen, die ihr Team bilden und mit welchem sie gemeinsam das Label trägt. Und am Ende hat sich auch ihr ganz persönlicher Traum verwirklicht. „Mein früherer Wunsch, eine berufliche Funktion zu finden, die Japan und die Schweiz verbindet, ist in Erfüllung gegangen. Mit dem grossen Unterschied, dass ich diese nicht für eine Firma im Bereich PR und Marketing erfülle, sondern für mein Unternehmen – als Modedesignerin.“

 

KAZU Shop & Atelier. Neptunstrasse  2 , 8032 Zürich     www.kazuhuggler.com

 

Text: LYDIA ZECHNER

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